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Der Vorstandsvorsitzende des Allianz-Konzerns, Oliver Bäte (+ eure Fragen) – Folge 257

 

Zu Gast in München bei Oliver Bäte, Chef des Allianz-Konzerns, u.a. geht es um:
Wer ist Oliver? Wie wird man ein Vorstandsvorsitzender, was sind die Aufgaben, ist man damit ein Unternehmensdiktator? (ab 3:55 min)
ist Oliver der erste digitale Chef? Wie kommuniziert er? welche Rolle spielen Frauen in der Chef-Etage der Allianz? (ab 23:35 min)
ist die Allianz „too big to fail“? ist AGI eine Investmentbank? wem gehört der Konzern? zockt man mit dem Geld der Kunden? (ab 35:50 min)
warum wird Rendite mit einer Solidargemeinschaft angestrebt? (ab 46:00 min)
welche Rolle spielt „E-Health“? kann die Allianz seine Versicherten dank Apple Watch etc nun noch besser überwachen? für welche Daten interessiert man sich? ist der „gläserne Kunde“ ein Segen? an welchen Datenschutz hält man sich? (ab 52:25 min)
was tut man im „Cyber“-Bereich? kann ich mich gegen die NSA versichern? (ab 1:05:30 min)
versichert sich eine Versicherung gegen Auswirkungen des Klimawandels? (ab 1:13:30 min)
Eure naiven Fragen ab 1:21:15 min:
– warum Parteispenden an alle großen Parteien außer die Linke?
– Ist folgendes ein guter oder schlechter Tipp: Sollte die Versicherungsbranche die Negativzinsen schneller einführen, damit diese ein Finanzpolster hätte um das Zahlungsverbot und Herabsetzung von Leistungen für die Kunden (VAG § 314) zu umgehen, da uns die Finanzkrise täglich grüsst?
– Was hält er von der Riester-Rente? (havyrl )
– Wäre eine einheitliche, gesetzliche Versicherung nicht wesentlich
effektiver (im Sinne der Solidarität) als verschiedene Versicherungen?
(Alex)
– Was empfiehlt er jungen Menschen die eine große berufliche Karriere
planen?
– Herr Bäte, was halten sie von einem höheren Spitzensteuersatz?
– an den Chef der Allianz: Wird die Allianz sich weiterhin gegen das
Imperium auflehnen? Wie finanziert ihr die Rebellion? (Star Wars)
– Macht dich dein Job glücklich? (Jonas)
– Macht Geld glücklich? (Florian)
– Profitiert die Allianz von Terror? Also schließen nach einem nach
einem Terroranschlag mehr Leute eine Lebens-/Gebäudeversicherung ab als sonst? (CamelGuy)
– Welcher transatlantischen Organisation gehörst du an?
– profitiert die Allianz von den Flüchtlingen?
– Warum hat er das Interview angenommen ? (Leon)
– Was ist an der Geschichte dran, das Atomkraftwerke nicht zu versichern sind? (Benito)
– BGE cool?
– Wenn es euch morgen nicht mehr gäbe – was würde der Gesellschaft
fehlen? Lässt sich das was ihr macht automatisieren?(Mr Ligi)
– Was war der schlimmste Skandal der Allianz?
– Was ist das unsicherste was Sie versichern?
– Werden mit Hilfe der Allianz auch Rüstungskonzerne und
Waffenhersteller finanziert oder versichert? (jojo)
– Siehst du eine Zukunft für unser Wirtschafts/-Finanzsystem, im dem die Schere zwischen arm und reich immer größer wird? (Paul Ri)
– Laut Tagesspiegel gibt es 5 Bundestagsausweise für die Allianz. Somit können 5 Lobbyisten der Allianz gleichzeitig rein- und
rausgehen wie es ihnen gerade passt. Wie oft passiert es, dass diese Lobbyisten im Bundestag zu Besuch sind und was für Themen werden speziell dort kommuniziert? (Tom Weidling)

Podcast-Version dieser Folge.
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München, 23.03.2016

 

Transkript (von Anne Wirth):

So, eine neue Folge „Jung & Naiv“. Wir sind zum ersten Mal nicht bei einem Politiker. Okay, wir waren schon bei anderen Nicht-Politikern, aber meistens hatte es etwas mit Politik zu tun gehabt. Aber wir sind jetzt wo?

Bei der Allianz in München.

Und wer bist du?

Oliver Bäte.

Was ist dein Job?

Ich bin der Vorstandvorsitzende der Allianz-Gruppe.

Gruppe heißt?

Ein Unternehmen, das in München angesiedelt ist, 125 Jahre plus ein paar Tage alt. Hat ungefähr 145.000 Mitarbeiter. Marktkapitalisierung an der Börse schwankt im Moment ein bisschen stärker, zwischen 60 und 70 Milliarden – und ist zum Beispiel größte Investor in Europa, größter Versicherer in Deutschland und alles mögliche. Das tun wir so. Wir machen so Kapitalanlage und wir versichern Leute gegen alle möglichen Übel.

Für was kann man keine Versicherung bei euch kaufen?

Alles das, was nicht ein Zufallsrisiko ist, sondern ein sogenanntes systematisches Risiko. Also da, wo du selber zum Beispiel dafür sorgst, dass du ein Problem hast und nicht zufällig in ein Problem kommst.

Zum Beispiel?

Beispiel ist: Wir können nicht versichern, wenn jemand einen Extremsport betreibt, bei dem es relativ wahrscheinlich ist, dass man mal einen tödlichen Unfall hat und das nicht diversifizieren kann. Was wir nennen „Gesetz der großen Zahl“, also wo sich viele Menschen zusammentun, um ein individuelles großes Risiko zu teilen, wie zum Beispiel beim Autofahren, und damit die Kosten dieses Risikos für jeden kalkulierbar und klein zu machen. Also wenn man also zum Beispiel mit einem Fallschirm von einem Berg herunterspringt, dann ist das nicht unbedingt, was man diversifizieren kann. Das können wir nicht versichern.

Aber kann man sich da eine Versicherung holen? Gibt es da so Spezialversicherungen?

Mir ist für dieses konkrete Beispiel keine bekannt. Aber es gibt Spezialversicherungen für Dinge, die wir leider nicht können.

Warum nicht?

Wegen der Grundgesamtheit. Zum Beispiel die Beine von Fußballspielern. Da gibt es ja viele, in der Bundesliga und auch international viele. Die kann man sich bei Lloyd’s in London versichern. Also wenn Franck Ribéry sich die Beine kaputt macht, weil ihm jemand die Füße wegtritt, das kann man versichern. Das machen wir leider nicht.

Warum nicht?

Weil wir nicht groß genug sein können, was die Anzahl der Beine angeht, die man da versichert. Das heißt, wir schaffen es nicht, ein ausreichend großes Kollektiv zusammenzubauen. Da gibt es Spezialisten dafür, die können das.

Aber das wäre doch vielleicht mal etwas Neues?

Ja. Aber es ist sehr schwer, in diesen Markt hineinzukommen. Wir können dafür viele andere Sachen ganz toll. Wir können zum Beispiel toll Autos versichern. Wir können toll Menschen gegen Unfall und Tod versichern. Das können wir gut, und darauf konzentrieren wir uns.

Aber letztes Mal hattest du erzählt bei der Allianz-Pressekonferenz, dass ihr Schauspieler versichert? Oder irgendwie Filmproduktionen…

Das machen wir auch. Wir machen Filmproduktionen, Filmausfallversicherungen. Das machen wir schon seit vielen Jahren und das verstehen wir auch.

Filmausfallversicherung?

Das heißt, es gibt einen Film, alle trinken die gleiche schreckliche Suppe und liegen vier Tage im Bett. Und die Produktion für den Film geht nicht weiter, dann versichern wir den Filmausfall diese vier Tage.

Ich wollte mal anfangen: Du bist ja Vorstandsvorsitzender…

Ja.

Wie wird man in Deutschland zu einem Vorstandsvorsitzenden?

Rein formell passiert das so, dass der Aufsichtsrat dieser Aktiengesellschaft, jede Aktiengesellschaft in Deutschland hat ja einen Aufsichtsrat, sich überlegt, wen hätten sie denn gerne für die Führung eines solchen Unternehmens? Dann führen die einen Prozess durch und suchen sich den Kandidaten oder die Kandidatin, es soll ja in Zukunft auch viel mehr Frauen geben, und dann verhandelt man darüber, ob man diesen Job haben will. Und wenn man sich einig ist, dann wird man bestellt als Vorstandsvorsitzender. So funktioniert das praktisch.

Und du wolltest den haben?

Ich wollte den auch haben, ja.

Ich wollte eigentlich darauf hinaus: Kannst du uns etwas zu deinem Werdegang sagen?

Das mache ich gerne. Also ich bin vor knapp 51 Jahren in Bensberg geboren, bei Köln. Bin da zur Schule gegangen, habe ein ganz normales Abitur gemacht, danach die Banklehre gemacht. Und bin dann nach der Banklehre immer kombiniert arbeiten und studieren gegangen. Ich hatte leider nicht das Vergnügen, ein tolles Stipendium zu kriegen oder reiche Eltern zu haben, sondern ich habe immer tagsüber gearbeitet und bin abends zur Schule gegangen. Bin 1988, nach der Bundeswehr, in den USA gelandet. Und nach der Arbeit für eine große Bank bin ich gewechselt zur Unternehmensberatung, deren Partner ich kennengelernt habe über mein Studium. Und bei der Beratung habe ich 16 Jahre gearbeitet.

Du kannst ruhig den Namen nennen!

McKinsey heißt die Beratung. Habe in New York angefangen, dann bin ich nach Deutschland gewechselt. Habe Familie gegründet und bin dann international tätig gewesen, in vielen Ländern. Und irgendwann… 2008 bin ich zur Allianz gekommen.

Hast du dich in irgendetwas spezialisiert? Bist du in irgendetwas ein Experte?

Ja. Das war reiner Zufall. Ich war vom Hause aus das, was man eigentlich ganz schrecklich findet: ein Bankkaufmann. Ein Banker, wie man das so schön nennt. Ich hatte mich mit dem Thema Kredit beschäftigt. Also wie gibt man Kredite an Industrieunternehmen? Hatte mich dann konzentriert vor allen Dingen auf schwierige Kredite, also insbesondere da, wo die Banken Geld verlieren. Das passiert ja ab und zu mal. Und dann über Zeit mich immer mehr dem Thema Kapitalmarkt, was funktioniert, was nicht, konzentriert. Und als ich bei McKinsey anfing, wollte ich das eigentlich weiter machen. Und die sagten: Wir haben aber gerade nichts für Sie. Aber wir haben eine tolle Idee: Warum arbeiten Sie nicht mal für Versicherungsklienten? Das war 1994 und seitdem habe ich mich im Wesentlichen immer nur um das Thema Versicherung und Kapitalanlage gekümmert, was man Neudeutsch Assett-Management, also Vermögensmanagement nennt.

Versicherungen oder gerade Versicherungsvertreter – ich meine, du bist ja kein Vertreter, aber Versicherungen haben ja ein ganz biedermännisches Image, langweilig und so weiter. Hat dich das interessiert?

Ganz ehrlich: nicht. Ich fand das am Anfang komisch. Und vor allem wurde ich dann verschickt,… Ich will den Namen der Versicherung nicht sagen, die spielt keine Rolle… Ich habe mich dann tatsächlich anderthalb Jahre beschäftigt mit Schadensregulierungsprozesse in Versicherungsunternehmen zu verbessern. Und zwar aus etwas, was heute wieder sehr wichtig wird, vor allem bei uns hier – nämlich wie macht man das so, dass die Kunden nicht aus 25.000 verschiedene Probleme durchlaufen müssen, bis sie endlich mal ihren Schaden reguliert haben. Daum ging es damals – und das Thema hat mich bis heute nicht verlassen.

Aber hast du irgendwelche Prozesse auch mal optimieren können, hast du was verbessern können?

Ja, das ist genau das, worum es geht. Aber man muss ja nicht nur Sachen verbessern, sondern auch ab und zu mal neu erfinden. Also die Frage ist…. Vor 30 Jahren war es nicht möglich, sich direkt mit einer Versicherung in Verbindung zu setzen. Man musste das immer über einen Intermediär machen – einen Makler, einen Vertreter. Und zu der Zeit kam damals über die Verbreitung sogenannter Call Center Telefonie, die Möglichkeit direkt mit Versicherungsunternehmen in Kontakt zu treten, auf. Und heute, im digitalen Zeitalter will jeder direkt mit wem auch immer sprechen. Also die Veränderungen sind schon groß.

Nochmal auf deine Frage zurück: Diese Industrie ist unglaublich wichtig für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, für das Thema Risiko. Weil wir heute alle das Thema Risiko negieren. Schönen Gruß von den Bombenanschlägen yesterday. Es ist wirklich ein Problem, dass unsere Welt unsicher ist. Und wir brauchen Unternehmen, die uns helfen, die Risiken im täglichen Leben zu bewältigen. Viele Menschen wissen gar nicht, wie schlimm das Leben wäre, wenn es so etwas Versicherungen nicht gibt. Ich gebe dir mal ein Beispiel: Ich komme gerade aus einem mittelamerikanischen Land. Da gibt es zwar offiziell eine Versicherungspflicht für Autos, aber nur ein Drittel der Autos sind für den Unfall versichert. Das heißt, wenn dir da ein LKW über die Füße fährt und du gehst ins Krankenhaus, kannst du nur froh sein, wenn du eine ordentliche Krankenversicherung hast. Weil im Regelfall derjenige, der das Auto fährt und der Eigentümer des Autos nicht versichert sind. Stell dir eine Welt vor, wo du nicht sicher bist, wer deine Krankenversicherung zahlt, wenn du einen Unfall hast. Und deswegen glaube ich, wir haben eine sehr sehr wichtige Rolle in unserer Gesellschaft, die man viel zu häufig für selbstverständlich nimmt.

Da gehen wir gleich darauf ein. Was macht denn eigentlich ein Vorstandsvorsitzender?

Der Vorstandsvorsitzende ist als Chef eines Vorstandsteam – nach dem deutschen Aktiengesetz ist man ja nicht Alleinherrscher wie das zum Beispiel in amerikanischen Unternehmen so ist, ein sogenannter Chief Executive Officer, entscheidet im Wesentlichen, was im Unternehmen passiert… Ich bin im Wesentlichen der Bundeskanzler der Allianz. Das heißt, man hat sogenannte Richtlinienkompetenz. Das heißt, man definiert gemeinsam mit dem Vorstand, was ist die Strategie des Unternehmens, wie wollen wir das Unternehmen besser machen, wie soll es wachsen? Das ist im Wesentlichen der Job. Also wir definieren die Strategie, dann suchen wir uns die Leute aus, mit denen wir das umsetzen wollen, und dann müssen wir auch ran und dafür sorgen, dass es im täglichen Geschäft funktioniert.

Der Bundeskanzler wird ja vom Parlament gewählt, von den ganzen Abgeordneten. Jetzt ist es ja bei euch nicht so, dass dich die ganzen Allianz-Angestellten wählen, sondern es wählt ja nur der Vorstand, nicht?

Ja. Nein!

Der Aufsichtsrat!

Genau. Der Aufsichtsrat ist ja aber der Vertreter unserer Eigentümer. Ganz wichtig zu verstehen! Die Allianz wird besessen von den Aktionären, von denen wir viele viele Millionen haben. Und diese Aktionäre wählen den Aufsichtsrat. Der wird ja regelmäßig neu gewählt und neu bestimmt und der muss auch jedes Jahr neu entlastet werden. Und der Aufsichtsrat bestimmt dann den Vorstand. Das heißt, unsere Eigentümer definieren, wer der Vorstand der Gesellschaft ist. Und so gehört sich das auch. Wenn du sozusagen dein eigenes Unternehmen anguckst, das du gegründet hast, fändest du es ja auch nicht so lustig, wenn jeden Montag deine Mitarbeiter, die du einstellst, sich da hinstellen und sagen: Wen wollen wir denn heute als Chef haben? Wenn denen das nicht gefällt, dann können die sich ja ein anderes Unternehmen suchen. Aber gehören tut die Firma ja dir, oder? Also das ist so das Grundprinzip von Marktwirtschaft.

Aber dir gehört die Firma ja nicht.

Nein.

Du bist quasi der oberste Vertreter.

Genau. Und ich bin deswegen verantwortlich an erster Stelle gegenüber unseren Eigentümern. Und natürlich funktioniert ein Unternehmen nur dann, wenn auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hochmotiviert sind. Weil die können sich auch einen anderen Arbeitgeber suchen. Da kommt der Wettbewerb rein. Aber das Allerwichtigste neben unseren Aktionären sind vor allen Dingen unsere Kunden. Denn ohne unsere Kunden gibt es keine Jobs. Und das darf man nicht vergessen. Viele große Unternehmen vergessen ab und zu, dass sie keinen Selbstzweck haben, sondern dass unser Zweck ist, in unserer Gesellschaft unseren Kunden Dienstleistungen zu liefern, die besser sind als die der Konkurrenz. Sonst sind wir nämlich in Zukunft nicht mehr da.

Warum hast du die Allianz nie verlassen?

Warum habe ich die Allianz nie verlassen? Also ich bin ja neun Jahre da. Und ich habe vom ersten Tag, als ich herkam schon als Berater, fand ich, dass ist ein Unternehmen, das in unserem besonderen Land einen enormen Beitrag liefert zum Thema Sicherheit, das wir ja schon angesprochen hatten. Es macht sehr sehr viele Kunden in Deutschland, mehr als 20 Millionen, sehr zufrieden. Und ich halte das für ein unfassbar cooles Unternehmen, weil es eben nicht nur profitabel ist und wächst, sondern weil es bestimmte Werte hat, nach außen und nach innen verkörpert, die du in anderen Unternehmen, gerade in unserer Finanzdienstleistungsindustrie, nicht so findest.

Welche?

Es gibt aus meiner Sicht immer Drei, über die wir immer wieder reden, ohne dass wir das in ein sogenanntes Mission Statement aufgeschrieben haben. Es geht einmal darum, wir wollen nur Sachen machen, von denen wir auch etwas verstehen. Das Thema Kompetenz. Also zum Beispiel Fußball – Beine verstehen wir nicht so gut wie andere. Deswegen machen wir das nicht.

Das Zweite ist das Thema Integrität. Du kannst schnell mal Geld verdienen, indem man einen Vorteil ausnutzt. Wir sind ein großer Investor. Man kann sich die Frage stellen: Optimiere ich jetzt meine Rendite kurzfristig, oder muss ich darauf gucken, dass alle die an einem Prozess beteiligt werden, nicht ausgenutzt werden. Man kann sich ja die Bankenindustrie in den letzten Jahren angucken, da sind ja viele Sachen passiert, die hätten eigentlich nicht passieren können und nicht passieren dürfen. Und wir achten bei der Allianz sehr darauf, und wir sind nicht fehlerfrei, aber wir kümmern uns von morgens bis abends darum zu sagen: Wir wollen nie jemanden übervorteilen. Und das ist wirklich wichtig. Also du wirst bisher – Gott sei Dank – nirgendwo gelesen haben: Die Kunden der Allianz werden systematisch übervorteilt. Es gibt immer mal wieder einen Verbraucherschützer, der mit einer Klausel in einem Vertrag nicht zufrieden ist. Wir reden da gleich noch drüber. Und es gibt immer etwas, was wir verbessern können. Aber prinzipiell hat uns sehr erfolgreich gemacht die Einstellung, wir finden ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Nutzen für die verschiedenen Beteiligten, das sind vor allen Dingen unsere Kunden und unsere Aktionäre.

Und das Dritte ist das Thema Widerstandskraft. Nämlich dass wir in der Lage sind, dann da zu sein für unsere Kunden, wenn allen anderen die Puste ausgeht. Und das ist sehr wichtig. Weil die meisten unserer Kunden wollen, dass wenn es ihnen schlecht geht, die Allianz da ist. Nicht nur finanziell, sondern sich um sie kümmert. Wir sind ein Unternehmen, über das denkt man nicht gerne nach, weil man nicht unbedingt gerne über Probleme nachdenkt. Aber wenn man ein Problem hat, dann will man, dass die Allianz da ist für einen da ist und sich um einen kümmert. Und diese drei Themen: Kompetenz, Integrität und Widerstandskraft oder Nachhaltigkeit, wenn man so will, im übertragenen Sinne, sind die Sachen, die die Allianz meines Erachtens auszeichnen.

Das ist so ein alttraditionelles Image auch von euch, oder? Ich bin in den 80ern, 90ern aufgewachsen, und da hat man auch schon….

Ja, und ich glaube, es gibt auch bestimmte Werte, die werden auch im Internetzeitalter nicht weniger relevant. Unser Programm, was wir hier fahren, hat ganz bewusst Elemente, die wir sagen: Die gehen nicht weg, die werden eher noch wichtiger. In einer Welt, wo die Leute wieder Angst haben, oder sich Sorgen machen müssen… Übrigens Probleme, die schon immer da werden, werden wieder virulent. Da brauchst du Bereiche im Leben, auf die du dich blind verlassen kannst. Und wir müssen ein Partner für unsere Kunden sein, auf den sie sich wirklich verlassen können.

Und wenn ich richtig sauer werde, dann werde ich dann sauer, wenn wir dieses Nutzenversprechen nicht erfüllen. Dann werde ich echt sauer.

Passiert das manchmal?

Das passiert manchmal, ja.

Hast du ein Beispiel?

Ich gebe mal ein Beispiel: Wenn ich Beschwerden bekomme, im Monat etwa 20, die bei mir im Büro reinlaufen, dann hat das sehr viel mit Schadenregulierung zu tun, die nicht so läuft aus Sicht der Kunden, wie sie laufen sollte.

Aber jetzt nicht Oma Erna’s Schaden, sondern irgendein…

Doch, auch schon mal Oma Erna. Weil Oma Erna auch irgendwann mal sagt: Mensch, jetzt habe ich mich drei Jahre mit der Allianz beschäftigt, jetzt schicke ich dem Chef mal eine Nachricht, damit er weiß, dass es hier unten nicht läuft. Und ich finde das super. Und wir verfolgen das auch! Das gebe ich nicht an irgendjemanden ab und sage: Mach du mal, mich interessiert das nicht. Wir verfolgen das. Und leider muss ich feststellen, dass sehr häufig unsere Kundinnen und Kunden in unserer Verwaltung sich einen Wolf laufen. Dass da gar nicht böse Absicht dahinter ist, sondern dass da irgendwo zwischen Verantwortung von einem Betriebspartner, einer Sachbearbeitungsstelle, einer rechtlichen Vorschrift, sich die Experten permanent streiten und die Kundin wartet draußen einfach auf eine Antwort. Das ist so wie so ein Anruf im Off, ja? Es tut sich einfach nichts. Und dann kommt ein nichtpersonifizierter Brief zurück, da steht dann drauf „von Ihrer Allianz: Wir sind noch nicht so weit“. Das geht nicht! Das geht einfach nicht. Und diese… Das sind so die Themen, die machen mich wahnsinnig. Und deswegen arbeiten wir auch konsequent daran. Unsere Nummer 1 Priorität ist im Moment: Wie werden wir wirklich zu einem kundenzentrierten Unternehmen? Nicht: Wie reden wir ständig drüber? Sondern wie messen wir und sorgen dafür?

Also die gute Nachricht ist: Mehr als 80 Prozent unserer Kunden, das ist ja schon einmal cool, sind entweder super zufrieden oder sagen: Ich bin mit der Allianz zufrieden, ich werde bei der Allianz bleiben. Man kann es aber auch anders sehen und sagen: 20 Prozent unserer Kunden sagen, da gibt es etwas zu verbessern. Ich werde erst zufrieden sein… 100 Prozent kriegst du nicht, aber wenn du 95 Prozent der Leute hast… Und wir müssen von einer 80 Prozent-Welt in eine 95 Prozent-Welt. Das ist die wichtigste kulturelle Veränderung. Das  ist eben… Im Englischen sagt man: Good enough is not good enough. Hört sich ein bisschen komisch an, ist aber so.

Du hast gerade schon angedeutet, dass ein Vorstandsvorsitzender kein CEO ist. Du hast aber wahrscheinlich trotzdem eine gewisse Macht.

Ja.

Was kannst du? Du kannst bestimmt nicht irgendwo hingehen und sagen: Du bist gefeuert…?

Nein, würde ich auch nicht machen. Wäre auch eine dumme Idee.

Weil ein CEO könnte das ja.

Ja.

Das ist ein Unternehmensdiktator.

Ja, und in bestimmten Punkten kann man sich sicherlich durchsetzen. Ich glaube, das Wichtigste ist,… Wir haben ja über das Thema Richtlinienkompetenz geredet. Zu sagen, was ist denn die Agenda? An welchen Themen wollen wir denn gemeinsam arbeiten? Und das erwarten der Vorstand und der Aufsichtsrat von mir: dass wir die Agenda setzen. Die erwarten auch von mir, dass ich eine Vorstellung davon habe, mit welcher Art von Menschen, mit welcher Arten von Fähigkeiten-Profilen wollen wir das Unternehmen weiterentwickeln? Und eine Personalpolitik zu verfolgen – ich bin auch der Personalchef der Allianz –, dafür zu sorgen, dass wir nicht nur heute die besten Leute haben, sondern auch in zehn Jahren. Das ist das zweite Thema. Und das Dritte, die dritte Verantwortung ist dafür zu sorgen, dass wir uns so organisieren, dass wir das, was wir uns vornehmen, auch hinbekommen. Also nicht nur die Aspiration beschreiben und die  Leute aussuchen, sondern am Ende bist du auch ergebnisverantwortlich. Nicht für jedes Teil, aber für die Strategie in Summe. Das sind sozusagen die drei Sachen, für die ich mich verantwortlich fühle.

Du bist jetzt ein Jahr im Amt. Hast du schon einmal durchgegriffen? Einmal wirklich auf den Tisch gehauen?

Hast du mal auf den Tisch gehauen? Ich glaube, auf den Tisch hauen ist nicht so die richtige Idee. Und ich hatte bisher das Glück, dass das, was wir uns gemeinsam vorgenommen haben, von allen Kollegen im Vorstand und von unseren Top-Führungskräften – wir treffen uns so 1 bis 2-Mal im Jahr mit unseren Top 300 – … sehr stark gekauft wird. Es gibt aber sicherlich Themen, da muss man stärker nacharbeiten. Es gibt immer wieder mal Punkte, wo man intensiver einsteigen muss, und sagt, da muss ich 3- oder 4-Mal nacharbeiten, weil die Organisation – entweder aus guten oder nicht so guten Gründen – sagt: Das wollen wir aber nicht, oder das wollen wir erheblich langsamer. Bei uns geht es weniger um die Frage „Machen oder nicht machen?“. Sondern: Mit welcher Priorität? Der wichtigste Job, den man hat, ist Prioritäten zu setzen. Weil es gibt immer Zielkonflikte in einem großen Unternehmen. Muss ich das machen heute oder das machen? Und um mal auf deine Frage einzugehen: Ja, es gibt mal Momente, wo man sagt: Jetzt werden wir das mal nicht machen, jetzt konzentrieren wir uns mal auf etwas anderes. Das passiert ab und zu mal.

Gab es schon einmal eine Notfallsitzung?

Nein, Gott sei Dank hatte ich Glück. Als Herr Diekmann Chef wurde, mein Vorgänger, 2003, da kamen wir gerade aus einer großen Krise im Kapitalmarkt, mussten eine Notkapitalerhöhung machen. Ich hatte großes Glück. Ich bin zu einem Zeitpunkt Chef geworden, als es eigentlich der Allianz sehr gut geht, insbesondere im Wettbewerbsumfeld. Uns geht es einfach derzeit einfach sehr gut. Die wirkliche Frage, die Leute immer stellen: Mensch, wenn es euch so gut geht, warum machst du jetzt eigentlich so einen Druck in Richtung Kundenorientierung und Digitalisierung? Und die Erkenntnis, die sich dahinter verbirgt, ist, dass man Veränderungen wirklich nur machen kann, wenn man wirklich in der Krise ist, oder es einem wirklich gut geht. Und uns geht es wirklich gut. Und deswegen sagen wir: Wir wollen uns jetzt in die neue Welt bewegen, wo wir die Kraft noch haben und uns nicht wieder in einem Abwehrkampf befinden gegen irgendeine Finanzkrise oder eine neue Regulierung.

Das heißt, ihr wart bei der Finanzkrise 2008 gar nicht so im Schleudern?

Mmh, wir hatten ja die Dresdner Bank. Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst. Uns gehörte ja die Bank und die haben wir im August 2008 verkauft. Ein paar Wochen bevor Lehman Brothers pleiteging und alles den Bach herunterging.

Zufall?

Nein, wir hatten ein bisschen Glück. Aber den Verkauf der Bank hatten wir mehr als ein Jahr vorher schon verhandelt. Aber man braucht schon etwas Glück. Aber das hat uns schon gebeutelt. Und 2009 hatten wir ein Jahresfehlbetrag ausgewiesen. 2009 wurde ich Finanzvorstand. Das war keine lustige Zeit. In der Finanzkrise quasi die Bilanz managen zu müssen, das ist nicht zum Lachen.

Das heißt, ihr habt Verlust gemacht, habt Minus gemacht?

Wir haben Verluste gemacht, wir mussten die ganze Bilanz umbauen. Also das waren sehr sehr intensive Zeiten. Da hat ja die ganze Welt gewackelt im Finanzdienstleistungssystem. Das weiß ja auch jeder. Und deswegen sind ja viele Leute zurecht sauer, weil sie sagen, das Finanzdienstleistungssystem soll eigentlich die Realwirtschaft unterstützen. Und was in der Finanzkrise passiert ist: Das Finanzsystem, was uns eigentlich stützen soll, hat uns in eine Krise gebracht. Einer der Gründe, warum wir als Industrie so kritisiert werden. Und das kann ich übrigens nachvollziehen. Das darf eigentlich nicht sein.

Habt ihr damals mit den Banken, Lehman Brothers usw., mit denen gemeckert, dafür dass sie den Leuten Versicherungen verscherbeln, die sie sich gar nicht leisten können? Das war ja am Ende Subprime,…

Genau. Das sind ja Kapitalanlagepodukte, ich nehme an, das meinst du. Wo die Leute gedacht haben, sie haben eine sichere Anlage und dann haben viele Leute ihr Geld verloren. Ja, selbstverständlich. Und wir haben vor allem auch bei uns im Portfolio geguckt, ob es solche Themen gegeben hat. Wir hatten Glück oder wir hatten das bessere Wertegerüst, manchmal ist es beides. Bei uns gab es solche Fäll nicht, wie es sie in der ein oder anderen Bank gab. Da bin ich sehr stolz auf das Unternehmen. Was auch immer übrigens ein Beweis ist. Du kannst ja viel behaupten. Du siehst eigentlich nur in der Krise, ob ein Unternehmen das durchhält, was es sich auch selber verspricht.

Aber nochmal: Wir sind nicht ohne Fehler. Es gibt bei uns immer Kritikpunkte, wenn man zum Beispiel die Presse liest. Das war ja zum Teil auch bei den Fragen, die ihr gekriegt habt bei euren Kunden,… Das wirkliche Problem, mit dem wir uns beschäftigen müssen, ist nicht die Bevorteilung der Kunden, sondern die Komplexität unserer Produkte. Gerade in den Kapitelanlagen, in der Lebensversicherung, sind unsere Bedingungen zum Teil so aufwändig, übrigens zum Teil, weil der Regulator das so vorschreibt, dass die Kunden nicht genau wissen, was kriegen sie eigentlich und was kostet es eigentlich. Und da wollen wir wirklich Fortschritte machen. Ich würde mal sagen, die nächste Dekade, die du jetzt beobachten wirst in unserer Industrie, wird zeigen, dass die Produkte schrittweise einfacher werden müssen, leichter verständlich, und dass sie von den Kosten her günstiger werden müssen. Denn in einer Welt, wo die Zinsen runterlaufen, und die Kapitalerträge immer volatiler werden,… Schönen Gruß von unserer Zentralbank: Die versucht, negative Zinsen durchzusetzen, werden die Menschen nur dann sparen, wenn der Ertrag, den sie aus dem Gesparten herausbekommen, in irgendeinem Verhältnis zu dem Konsumverzicht stehen. Wenn du quasi dein Geld unter deine Matratze stecken kannst, weil du auf der Bank quasi Geld abgenommen kriegst, dass du denen Geld bringst, kaufst du dir lieber einen Pulli, oder eine Tasche oder einen Computer, aber du sparst nicht. Und damit kreieren wir ein riesen Problem. Das heißt, wir müssen unsere Aufgabe, Menschen dafür zu motivieren für das Alter vorzusorgen, auch erleichtern, indem unsere Produkte einfacher werden und kosteneffizienter.

Jetzt liegt hier ein iPad vor dir. Bist du der erste digitale CEO der Allianz?

Weiß ich nicht. Der Diekmann, also mein Vorgänger, der hat auch schon iPad genutzt. Aber ich versuche mich konsequent dazu zu zwingen. Dieses iPad hat auch einen riesen Vorteil: Es ist auch altersgerecht. Ich bin 50, also das Ding kann ich auch gut benutzen, weil ich mir den Schrifttyp entsprechend groß einstellen kann. Aber Spaß beiseite. Es ist deswegen ein gutes Gerät, weil man einen sogenannten Split-Screen machen kann. Ich brauche immer zwei Seiten. Ich muss immer lesen und mir Notizen machen. Und in den letzten Jahren war ich immer unterwegs wie wir Zwei hier. Ich hatte den einen Screen, habe mir Notizen gemacht und mir die dann hinterher wieder reingeschrieben. Dann gab es die zweite Software, da konnte man in bisschen reinmalen, das hat auch nichts gebracht. Jetzt mit dem neuen Gerät kannst du das – das soll aber keine Produktwerbung sein übrigens – kannst du den Screen teilen. Und dann liest du und schreibst rechts deine Notizen und schickst die dann separat weg. Und seit dem Ding ist de Technologie endlich für mich geeignet – und ich bin für die Technologie geeignet.

Wie viele Emails bekommst du so am Tag?

Ich würde sagen, so zwischen 60 bis 100.

Geht ja.

Ja.

So viele kriegen wir auch.

Ja, absolut.

Steuerst du ganz gut. Die anderen, die es betrifft, bekommen sie direkt?

Ja,…

Die Leute wissen, wann sie dir schreiben müssen.

Ja, also es gibt so ein paar Policies. Das eine ist: ich mag keine sogenannten cc-Emails, wo jemand an jemand anderes schreibt, so nach dem Motto: Damit der Chef auch mal weiß, wie es läuft. Da gibt es Ärger.

Ja?

Ja. Weil ich sage: Entweder hast du eine Nachricht für mich, dann schreib an mich. Oder du hast keine Nachricht. Aber nach dem Motto „Hast du gesehen,… und bist deswegen informiert und kannst nicht tun, als hättest du nicht gewusst, aber eigentlich geht es dich nichts an.“ Das ist zum Beispiel so eine Disziplin, die ich eingeführt habe, weil ich es nicht mag. Also schreib mir oder schreib mir nicht. Dann gebe ich auch eine Antwort. Aber bitte kein Bullshit. Und damit kann man das tatsächlich ein bisschen steuern. Und die Leute wissen auch mittlerweile, was sollte man mir direkt schreiben und wo wendet man sich besser an meinen Büroleiter, an mein Team oder so. Das regelt sich.

Was anderes: Frauen in Führungsetagen. Habt ihr Frauen im Aufsichtsrat?

Ja. Wir sind sogar führend. Wir haben also diese Quote früh übererfüllt, diese 30 Prozent. Wir haben sowohl auf der Arbeitnehmerseite, was übrigens auch wichtig ist, also sowohl die Damen, die wir haben von Verdi auf Arbeitnehmerseite als auch die Arbeitgeberseite sind Frauen. Mindestens zwei auf jeder Seite. Das heißt, von den Zwölf haben wir heute das Drittel schon erreicht. Und wir haben seit Neustem, wisst ihr ja auch: Seit 1. Juli formell eine zweite Frau im Vorstand und das wird auch weiter so gehen. Also ich stelle mir vor, dass mein Nachfolger eines Tages mindestens genauso viele Frauen im Vorstand hat wie Männer. Warum soll der nächste Vorstandsvorsitzende der Allianz nicht eine Vorstandsvorsitzende sein?

Du stellst dir jetzt die Fragen schon selber.

Ja, warum nicht?

Ist das möglich?

Selbstverständlich ist das möglich.

Wie groß ist denn der Aufsichtsrat?

12 Leute sind das. 6 auf Arbeitgeber-, 6 auf Arbeitnehmerseite.

Da sind vier Frauen dabei.

Da sind vier Frauen dabei.

Warum nicht 6? Das wäre doch fair.

Das kommt, ja.

Ach, interessant. Du benutzt das Wort fair. Was heißt fair?

Prinzipiell wollen wir ja Leute für solche Aufgaben haben nach Kompetenz. Und wir suchen die mittlerweile unabhängig davon aus, was ihr Geschlecht ist. Wollen aber zeitgleiche Voraussetzungen haben für Frauen und Männer. Es geht übrigens nicht nur um Geschlecht. Es geht ja auch um kulturelle Diversity. Also zum Beispiel bei uns ist sehr wichtig, wir sind ein globaler Konzern in 70 Ländern, dass nicht wie früher nur Deutsche im Aufsichtsrat sitzen. Wir haben mittlerweile Dänen, haben einen Briten da. Und was mir ganz persönlich für unseren Vorstand wichtig ist, auch für unsere Führungsmannschaft, dass neben dem Thema Frauen versus Männer vor allen Dingen wir andere Kulturen hinkriegen. Und das ist mindestens genauso schwierig für uns hier in Deutschland als dass das Thema Frauen. Denn unsere Fähigkeit, andere Kulturen zu verstehen und zu respektieren, ist verbesserungsfähig. Also insbesondere Asiaten, die mit so ganz andren Kulturhintergründen aufgewachsen sind, ein anderes Kommunikationsverhalten haben, die tun sich bei uns schwer.

Versichern sich Asiaten anders?

Nein, aber die kommunizieren anders. Führungskräfte zum Beispiel sind zum teil formeller als es bei uns der Fall ist. Sie achten auf formelle Töne. Wenn sie irgendetwas empfinden, dann sagen sie das nicht. Da muss man nachfragen. Sie würden nie sagen: Ich fühle mich heute schlecht. Die würden manche Dinge nicht in großen Gruppen tun. Wir würden häufig mal auf den Tisch sitzen und sagen: das fand ich jetzt echt Mist. Das tun die nicht. Das heißt aber nicht, dass die nichts zu meckern haben. Das muss man wissen, muss auf die zugehen und sagen: Du sahst heute nicht so happy aus, was war denn das Thema? Und diese Art von kultureller Empathie  ist unglaublich wichtig für Erfolg, weil man sonst die besten Leute aus jeder Kultur nicht kriegt. Und das ist also genauso wichtig für uns. Ich möchte jetzt von dem Frauenthema nicht ablenken, aber es ist genauso wichtig wie das Thema Frauen. Wir haben aber in München, in unserer Zentrale der Allianz-Gruppe, jetzt schon mehr als 40 Prozent Ausländer. Und das wird über die nächsten Jahre noch zunehmen.

Das heißt, es kann irgendwann sei, dass irgendwann eine asiatische Frau Vorstandsvorsitzende wird?

Das ist sehr vorstellbar. Überhaupt keine Frage. Zumal wir in bestimmten asiatischen Kulturen und anderen Kulturen Frauen noch stärkere Rollen haben als Männer, auch wenn man das häufig nicht vermutet. Zum Beispiel lange bevor wir eine Bundeskanzlerin hatten in Deutschland gab es eine Premierministerin Tansu Çiller in der Türkei, in einem Land, wo man immer sagt, Frauen haben gar nichts zu sagen. Das stimmt aber einfach nicht. Wir haben Vorurteile, die einfach nicht stimmen. Viele Führungspersönlichkeiten in der Türkei, wo wir übrigens der größte Versicherer des Landes sind, also wir sind genauso groß an Marktanteilen in der Türkei wie in Deutschland, sind hervorragende Frauen. Deswegen ist unsere Vorstandsvorsitzende in der Türkei auch eine Frau. Vielleicht etwas für dich, was man so nicht erwartet.

Erklär mir mal, warum ist die Allianz keine AG, sondern eine SE?

Wir haben im Jahr 2005 im Rahmen der Übernahme unserer italienischen Tochtergesellschaft, die RAS hieß, also eine Abkürzung für ein sehr langes italienisches Wort entschieden, den europäischen Rechtsstandard anzunehmen einer sogenannten Europäischen Aktiengesellschaft. Und das hat bestimmte Vorteile in der Art und Weise, wie wir uns aufstellen.

Welche?

Ja, wir sind zum Beispiel in der Lage, länderübergreifend Produkte anzubieten und länderübergreifend Organisationsstrukturen umzusetzen, die es nach dem deutschen Aktiengesetz so nicht geben würde.

Kannst du das irgendwie anschaulicher machen?

Ja, ich merke gerade, dass das wieder Fachchinesisch war.

Also der Vorteil ist im Wesentlichen, dass man Niederlassungen haben kann und keine Tochtergesellschaften, die lokal bestimmten Anforderungen der lokalen Gesetzgebung entsprechen. Also Europa hat sich quasi entschieden,  wir bauen ein europäisches Organisations- und Rechtsmodell auf, was wir in jedem Land zulassen. Das ist wie so ein europäischer Pass. Ein europäischer Unternehmenspass. Und wir haben uns dafür entschieden, weil dieser europäische Unternehmenspass uns es erlaubt, leichter unsere Einheiten in Europa zu steuern. Und da die Allianz mehr als 60 Prozent ihres Ergebnisses in Europa erwirtschaftet, ist das für uns ein ganz wichtiges Thema. Ist das verständlich? Ich weiß, diese Struktursachen…

Finanzielle Vorteile hat das wahrscheinlich auch?

Ja, sicher, weil es niedrigere Verwaltungskosten hat. Wir müssen nicht überall detaillierte Abschlüsse machen, wir müssen nicht 25 verschiedene Filings machen. Das hat vor allen Dingen Verwaltungskostenvorteile.

Aber ich sehe ganz wenige große deutsche Konzerne, die sonst SEs sind.

Ja, aber es gibt immer mehr. Insbesondere…

Das hat auch damit etwas zu tun, und jetzt wird es wieder kompliziert, jetzt versuche ich, wie ich es einfacher machen kann: Wir stellen unsere  Produkte ja in jedem Land her. Das ist ja nicht so, dass wir zum Beispiel Autos herstellen, die du in Deutschland in einer Fabrik herstellst und dann in Frankreich verkaufst. Sondern wir produzieren unsere Produkte jeweils in den Ländern. Es gibt zwar sogenannte länderübergreifende Lieferbeziehungen, die sind relativ überschaubar. Deswegen ist es für uns relativ wichtig, dass diese Ländergesellschaften, die einzeln ihre Produkte steuern möglichst gleichartig organisiert sind. Wenn ich ein Autohersteller bin, ist mir das ehrlich gesagt Wurst. Weil ich habe meine Organisation, meinen sogenannten Stammkonzern in meinem Heimatland. Und dann habe ich nur Vertriebsniederlassungen in vielen Fällen und verkloppe das. Das heißt, der Vorteil einer europäischen Gesellschaft ist für die weniger groß, weil sie eben nur in einem Land herstellen und in dem Rest verkaufen. Für uns, wo wir in ganz vielen vielen Ländern herstellen, ist das echt kostenersparend. Weil wir in der Lieferbeziehung viele Dinge wirklich vereinfachen. Ich weiß, das ist ein furchtbar langweiliges und kompliziertes Thema, aber so kann man es, glaube ich, am besten erklären.

Wem gehört der Konzern?

Den Aktionären.

Wer sind die Aktionäre? Oma Erna hat ja vielleicht auch ein paar Allianz-Aktien. Aber es gibt ja Großaktionäre. Wer ist der größte Aktionär der Allianz?

Das wechselt immer. Im Moment ist es, glaube ich, der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock. Der dürfte so ungefähr 5 Prozent von uns besitzen. Und dann gibt es andere. Sogenannte institutionelle Investoren. Also im Unterschied zu Privatanlegern, wo Vermögensmittel gebunden sind, die in uns investieren. Zum Beispiel der norwegische Öl-Fund. Oder der chinesische Staatsfonds hat zum Beispiel auch drei Prozent von uns. Also es gibt viele große Kapitalsammelstellen, die ihr Geld bündeln und dann in unser Unternehmen investieren.

Hast du mit denen Kontakt?

Ja, regelmäßig.

Mit Chinesen Kontakt, mit Blackrock?

Regelmäßig treffen wir unsere Aktionäre, sowohl die Aktionäre/ Investoren selber, als auch deren Vertreter in den wichtigsten Kapitalmärkten der Welt. Also wir fahren nach New York, nach Chicago, nach London. Mal nach Abu Dhabi, nach Shanghai. Und unterhalten und mit unseren Investoren darüber, was wir in unserem Unternehmen machen, was wir vorhaben und holen uns von denen Feedback. Findest ihr es eigentlich gut, dass wir eine Lebensversicherung machen? Findet ihr es eigentlich toll, dass wir eine Sachversicherung machen? Und die geben uns auch sehr sehr direktes Feedback dazu, was sie gut finden und was sie nicht so gut finden.

Gab es seid du Chef bist, schon einmal Ärger?

Ärger würde ich nicht sagen. Unsere Aktionäre sind mit uns eigentlich sehr zufrieden, weil die Allianz eben in einem sehr schwierigen Umfeld ein sehr sicheres Investment ist. Nehmen wir mal das Thema Rendite.

Sehr sicher heißt, habe ich mal gelernt, langweilig. Also für Investoren.

Aber langweilig ist im Moment echt sexy.

Ja?

Ja. Langweilig ist echt sexy. Also es gibt nicht ganz so langweilige Anleihen wie zum Beispiel Bankaktien. Und da haben viele Leute keine Lust drauf, wie wir im Moment wissen. So, warum kaufen die das? Wir haben eine sehr starke Bilanz. Wir haben über das Thema eben gesprochen, dass wir Sicherheit versprechen. Das ist einerseits wichtig für unsere Kunden, dass sie sich darauf verlassen können, dass wenn wir mal einen Schaden zu regulieren haben, wir den auch bezahlen können. Das hört sich selbstverständlich an, es gibt aber ab und zu mal Versicherer, die dann nicht überleben. Und das zweite Thema ist: Wir sind für Aktionäre sehr interessant mit unserer Bilanz, dass sie nicht viel Geld verlieren können und gleichzeitig jedes Jahr eine ziemlich attraktive Rendite bekommen. Unabhängig von dem Anstieg oder Nichtanstieg des Börsenkurses der Allianz zahlen wir ja eine sogenannte Dividende, also 50 Prozent unseres Jahresabschlusses schütten wir jedes Jahr aus als Dividende. Dieses Jahr wahrscheinlich 7 Euro 30 pro Aktie. Das ist eine Dividenden-Rendite nennt man das, also die Dividende, die wir ausschütten, geteilt durch den Börsenkurs. Von ungefähr 5 Prozent. So, jetzt kriegst du bei einer 10-jährigen Bundesanleihe fast null und bei der Allianz, die immerhin ein tolles Kreditrating hat, kriegst du 5 Prozent. Ich wüsste schon, wo ich mein Geld hinstecke. Und das tue ich auch. Nämlich in meine Allianz-Aktien.

Könnte man sich bei der Allianz gegen einen Kurssturz der Allianz-Aktie versichern?

Bei der Allianz selber nicht, weil wir dürfen das nicht.

Was?

Ja. Aber man kann sich versichern, indem man eine sogenannte Put-Option kauft. Das heißt, man sagt, ab einem gewissen Kurs möchte ich kein Verlustrisiko mehr haben. Und dafür musst du dann eine Risikoprämie zahlen. Das nennt man auch Versicherungsprämie. Das geht.

Ist die Allianz ‚too big to fail‘?

Nö. Das sollte auch in einer Marktwirtschaft nicht sein. Man sollte nie sagen dürfen, ein Unternehmen kann nicht pleite gehen.

Die Allianz kann pleite gehen?

Ja, selbstverständlich. Aber das ist sehr sehr sehr unwahrscheinlich.

Habe ich jetzt auch verstanden. Aber ihr seid nicht so groß, dass ihr zu Schäuble irgendwann gehen würdet und sagt: Ihr müsst uns jetzt retten, sonst haben 20 Millionen Leute keine Versicherung mehr.

Nein. Aber du sprichst ein ganz wichtiges Thema an, das was mit Marktwirtschaft zu tun hat und das meines Erachtens auch ein Fehler in der Regulierung wäre: es kann nie ein Finanzsystem geben, wo es keinen Ausfall gibt. Denn die Kosten zur Absicherung wären so unermesslich hoch, dass sich das System dann nicht mehr rechnet. Also dann behältst du dein Geld lieber zu Hause und legst das Geld unter die Matratze. Also es gibt immer Risiko in einer Marktwirtschaft. Das einzige, was wir sicherstellen müssen, ist dass die Kosten und die Erträge richtig verteilt sind. Die berechtigte Kritik, nicht nur von der Politik, sondern auch von Verbrauchern war, alle Erträge, wenn es gut geht im Finanzsystem, gehen an die Akteure. Und wenn es daneben geht, dann müssen wir zahlen. Und das ist das eigentliche Problem.

Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste…

und das ist eine Sauerei, das kann nicht sein. Auf der anderen Seite heißt das aber trotzdem, jeder Kunde hat das Recht und die Pflicht, sich einen Anbieter auszusuchen und zu überlegen, kriege ich das, was ich da mal versprochen bekommen habe, am Ende des Tages raus? Und ab und zu muss auch mal einer pleitegehen, damit jedem klar wird, es gibt Kosten für Risiko. Wir haben ja ein sehr großes, starkes Unternehmen mit einer tollen Bonität. Dafür müssen wir viel Kapital hervorhalten, mehr als andere. Dieses Kapitel kostet Geld. Ich muss dafür dem Aktionär Geld geben. Und das muss ich auch unseren Kunden in Rechnung stellen.

Weil Ihr viel Geld habt, kostet das Geld?

Ja. Lass doch einfach mal erklären! Guck mal, wenn du uns Geld gibst und sagst, ich will sicher sein, dass die Allianz mir das Geld in 30 Jahren bei einer Rentenversicherung auch wirklich wiedergeben kann, kannst du das entweder bei einer Gesellschaft kaufen, die eine starke Bilanz hat wie wir mit einem tollen Kreditrating. Oder vielleicht bei einer Gesellschaft, die nicht so ein tolles Rating hat und nicht so viel Kapital, richtig?

Ja.

Die kann ihre Produkte billiger anbieten, denn die muss nicht so viele Dividende und Kapitalkosten an ihre Aktionäre zahlen. Das Produkt ist also billiger. Wie bei Pfefferminzia. Bei uns ist es teurer. Das ist bei uns deswegen teurer, weil es bei uns sicherer ist. Wenn die Menschen nicht verstehen, dass es einen Unterschied bei Kosten zwischen Sicherheit gibt, dann haben wir ein Problem.

Aber warum ist es nicht billiger für euch, weil ihr doch so sicher seid?

Weil wir das Kapital, das wir benötigen, um Sicherheit zu erzeugen, ja irgendwo hernehmen müssen. Den Vorteil, den du hast ist, weil wir so stark und so gut diversifiziert sind, sind die Kapitalkosten immer noch billiger als bei Pfefferminzia, wenn sie so viel Kapital halten… Also wir haben einen relativen Vorteil Aber ich wollte nur eine ganz ganz wichtige ökonomische Weisheit – sorry – noch einmal teilen. Die meisten Menschen verstehen nicht: Qualität kostet Geld. Es gibt keine Sicherheit umsonst. Das gibt es nicht. Und wer glaubt, der Staat gibt mir Sicherheit umsonst, der hat ein Problem. Sicherheit kostet. So, jetzt müssen wir die Kosten für Sicherheit so gering wie möglich halten, aber es kommt nicht umsonst. Umsonst leben wir nicht mehr in einer Marktwirtschaft. In einer Marktwirtschaft hat Kapital Kosten und die müssen bezahlt werden. Und viele Leute verstehen das nicht.

Apropos Kapital: Ich wollte auch über Investment Banking reden. Ihr macht auch Investment Banking?

Nein, machen wir nicht.

Und dieses AIGI und so weiter?

AGI – Allianz Globe Investors. Nein, wir machen Kapitalanlage. Also was wir machen für Privatkunden und institutionelle Kunden suchen wir Kapitalanlagen zum Beispiel in Immobilien oder in Unternehmen. Und wir investieren. Investment Banking in der klassischen Definition ist: Ich investiere nicht in jemanden, sondern ich stelle einen Kontakt her zwischen einem Käufer und einem Verkäufer einer Kapitalanlage und handle das oder intermediäre das. Das tun wir nicht. Wir investieren Geld für unsere Kunden und kriegen dafür eine Gebühr und verwalten das Vermögen. Das ist unser Job.

Das heißt, nur zum Verständnis: Ihr zockt nicht mit dem Geld von Kunden, sondern ihr zockt für die Kunden, um es umgangssprachlich zu sagen…?

Ich mag den Begriff zocken nicht, aber…

…spekulieren?

Wir investieren.

Ja.

Und was ist der Unterschied zwischen zocken und investieren… Weil ich finde das wichtig, diese Begriffe…

Jaja.

ich bezeichne als Zockerei, wenn ich eine Wette eingehe, von der ich vorher überhaupt keine Ahnung habe, ob sie gut oder schlecht ausgeht. Das ist für mich zocken. Es ist also wie ein Würfel würfeln. Wir bilden uns ein, dass wir unseren Kunden erklären können, hier ist das Risiko einer Anlage – wir haben ja schon einmal über Risiko geredet –, hier ist der Ertrag den du erwarten kannst, relativ zum Risiko und gegeben deine Risikopräferenz, also ich kann mir mehr Risiko erlauben oder weniger, halten wir die vorliegenden Anlageformen für dich geeignet – und deswegen solltest du dort und dort investieren. Da in einen Immobilienfonds, oder da in einen Aktienfonds. Das ist unser Nutzen-Versprechen, dass wir besseren Rat geben als andere.

Zockerei wäre, wenn ich sage, gib mir ein bisschen Geld und ich überlege mir mal, was ich damit mache. Das gibt es übrigens auch, diese Art von Geschäftsmodell. Hedgefonds heißen die. Die sagen: Ich verspreche dir eine Rendite und wenn dir das nicht gefällt, kannst du dein Geld wieder abholen. So machen wir das nicht.

Das heißt, AGI ist jetzt kein Goldman Sachs?

Nein, wir sind keine Investment Bank. Wir handeln keine Papiere zwischen und sagen wir stellen uns zwischen einen Käufer und Verkäufer und machen eine Marge. Weil wir wissen, wer etwas teuer zu verkaufen hat und wer etwas billig zu kaufen hat. Das ist nicht unser primärer Geschäftszweck. Sondern wir haben ein sogenanntes Treuhändermandat für unsere Kunden, die sagen: ich habe 10.000 Euro, bitte investiere die für mich so, dass ich im Hinblick auf das, was ich brauche, an Cash regelmäßig, das was ich an Wertzuwachsbrauche, dass das passt zu meinen Bedürfnissen. Das ist eigentlich unser Nutzen-Versprechen. Und dann tätigen wir die Kapitalanlage für unsere Kunden. Und wenn die nicht zufrieden sind, dann nehmen die ihr Geld und gehen woanders hin.

Habt ihr euch schon mal geirrt?

Regelmäßig.

Ja?

Ja, selbstverständlich.

Was war der letzte große Irrtum, wo ihr gesagt habt: Da sollten wir investieren, aber es hat am Ende eine Bauchlandung gegeben…?

Naja, Bauchlandung. Das ist immer eine Frage zu einem bestimmten Zeitpunkt. Also zum Beispiel bei unserer Fondstochter Pimco hatten wir im Januar und Februar… waren wir der Meinung, dass die Federal Reserve die Zinsen anheben wird in den USA. Das haben sie aber nicht gemacht.

Habt ihr spekuliert, dass das so wird?

Nein. Wir haben mit unseren Kunden die Vereinbarung getroffen und gesagt: Gehen wir davon aus, dass die Zinsen steigen, ja oder nein? Und legen wir unsere Gelder so an, dass wir profitieren würden von einem Zinsanstieg? Das hat nicht gut funktioniert. Aber was sehr gut funktioniert hat jetzt im März: Wir haben das verbunden mit dem Thema die Inflationserwartungen werden steigen, also die Inflation in den USA wird hochgehen. Und das ist jetzt genau passiert. Das heißt, unsere Anleger haben das Geld, was im Januar/ Februar nicht funktioniert hat, jetzt im März schon wieder zurückverdient. Also es ist immer auch eine Frage zu einem… was passiert zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wichtig ist für uns, dass wir über lange Zeiträume den Wert für unsere Kapitalanlagen für unsere Kunden nach oben kriegen und nicht das jeden Monat anschauen. Weil kurzfristig kannst du immer daneben liegen. Was wichtig ist, dass wenn du sparst für deine Altersvorsorge, dass du weißt, in 30 Jahren habe ich genug Geld, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Das ist unser Nutzen-Versprechen. Unser Nutzen-Versprechen ist nicht, dieses Quartal bin ich besser als Firma X. Dafür stehen wir.

Verdient ihr Geld, außer jetzt mit Investment und Versicherungen? Also verdient ihr Geld mit Dingen, die nicht mit Versicherungen oder Investment zu tun haben?

Nein, wir verdienen auch Geld mit Servicedienstleistungen. Also der Großteil aus unseren Erträgen kommt aus versicherten Kapitalanlagen, aber ein wachsender Teil kommt auch aus Servicedienstleistungen. Wir haben Allianz Assistance, das ist der größte Services- und Hilfsdienstleister der Welt, macht 3 Milliarden Umsatz, nur um dir ein Gefühl zu geben, und wir bieten in mehr als 50 Ländern Servicedienstleistungen an, also zum Beispiel Autoabschleppdienstleistungen oder wenn du eben im Ausland krank wirst und brauchst eine Reiserücktrittsversicherung, die die Kosten übernimmt der ausgefallenen Reise und den Arzt finanziert. Das sind so Dienstleistungen, die wir übernehmen. Was sind nicht primär nur Versicherungen, sondern echte Dienstleistungen sind. Wir organisieren Logistik, wir organisieren deinen Transport nach Hause, wir besorgen dir Bargeld, wir organisieren die einen top Arzt. Mal angenommen, du hast ein Blinddarm-Problem. Du sitzt in Thailand oder irgendwo am Strand. Und da geht es ja nicht nur um die Frage, einen Arzt zu kriegen, sondern einen guten Arzt. Was weißt du denn schon, wer in Bali der richtige Arzt ist, um einen Blinddarm zu operieren? Wir wissen das. Weil wir ein weltweites Netzwerk haben uns wissen für den jeweiligen medizinischen Fall, was ist der jeweilige Arzt oder was sind die zwei oder drei Ärzte – weil du hast ja die Wahl –, zu denen wir dich schicken würden, damit du nicht nur operiert wirst, sondern gut operiert wirst.

Bleiben wir mal beim Beispiel Auslandskrankenversicherung. Wenn ich eine  Auslandskrankenversicherung bei euch abschließe, bin ich dann teil einer Solidargemeinschaft?

Absolut. Weil sonst würden die Kosten unermesslich hoch. Nur dadurch, … Wir haben ja eben über den Versicherungsgedanken geredet. Jedes Jahr haben wir 30 Millionen Kunden, die reisen. Von denen wird ein Bruchteil krank, ist die Prämie deswegen so niedrig, das sind irgendwie 15 Euro, weil nur ein kleiner Teil der Kunden krank wird und für die organisieren wir das und deswegen sind die Kosten für alle viel niedriger, als wenn du dich alleine absichern müsstest, denn so eine Appendix-Operation würde 5.000 Dollar kosten. So bezahlst du 15 Euro für die Reise.

Du weißt, wie teuer Blinddarm-Operationen sind?

Zufällig. Reiner Zufall.

Ich habe jetzt irgendwie gelesen auf eurer Webseite, dass ihr zehn Prozent Rendite mit Lebens- und Krankenversicherung machen wollt, nächstes Jahr.

18.

18?

Kannst du das mal anschaulich erklären, was das einfach nur bedeutet?

Ja, ganz einfach. In jedes Geschäft investierst du ja Kapital. Haben wir ja eben darüber geredet, haben gesagt, Sicherheit kostet Geld. Und mal angenommen, wir hätten in unserem Lebensversicherungsgeschäft ein paar Milliarden investiert, sagen wir, wir wollen zehn Prozent Eigenkapitalverzinsung haben. Jetzt haben wir angenommen, ich glaube die Kapitalzahl ist einigermaßen richtig, Wir haben 15 Milliarden Euro Eigenkapital investiert in die Lebendkrankenversicherung, wir wollen zehn Prozent Rendite, heißt, wir wollen 1,5 Milliarden Jahresüberschuss auf dieses eingesetzte Eigenkapital verdienen. So einfach ist das.

Das heißt, bleiben wir bei kleineren Zahlen, angenommen 10.000 Kunden, haben im Jahr zehn Euro eingezahlt, es gibt 100.000 Euro, einen Batzen, Unfallversicherung. Und wenn ihr 18 Prozent Rendite machen wollt, das heißt, ihr versucht dann…

Zehn Prozent.

Zehn Prozent.

…dass heißt, ihr versucht dann, dass ihr nur 90.000 Euro auszahlt und zehn Prozent behaltet ihr.

Ja.

Kann man das so verstehen?

Ich weiß, wo du hinwillst. Es geht um die Frage, was ist die Marge die wir verdienen relativ zu den Kunden. Ist das die Frage?

Mmh.

Ist ganz einfach. Ich nehme mal die deutsche Lebensversicherung, da die für jeden euer Kunden am leichtesten zu verstehen ist. Die Lebensversicherung hat… die größte Einnahmequelle sind die Zins- und Verwaltung auf das verwaltete Vermögen. Und schon nach dem Gesetz sind mindestens 90 Prozent dieser Erträge stehen unseren Kunden zu, mindestens 90 Prozent. Das heißt, im Höchstfall würden wir bekommen zehn Prozent der Kapitalerträge. Tun wir aber gar nicht, weil wir im Regelfall zwischen 92 und 94 Prozent dieser Kapitalerträge, also viel mehr als wir müssen, an unsere Kunden ausschütten. Jüngst haben wir 6 Prozent quasi behalten davon. Und dann muss man diese 6 Prozent und dann gibt es noch ein paar Erträge und ein ordentliches Kostenmanagement, also wenn wir weniger Kosten verbrauchen als kalkuliert, teilen wir uns diese Kostengewinne mit unseren Kunden, also auch da geht der größte Teil an unsere Kunden. Und ein Teil an uns. Und dann gibt es noch das sogenannte Risikoergebnis. Wir kalkulieren, wie wahrscheinlich ist das, das jemand stirbt oder krank wird. Und auch da gehen 75 Prozent der Erträge an unsere Kunden. Also der Großteil geht an unsere Kunden. Und auf dem Rest sozusagen ergibt sich unser Anteil und der wird dann ins Verhältnis gesetzt zum eingezahlten Risikokapital. Und wir verdienen dadurch Geld, und mehr Geld übrigens als andere, nicht weil wir den Kunden mehr wegnehmen, sondern weil wir einen größeren Return erwirtschaften als andere. Im Schnitt über die letzten 20 Jahre haben wir ungefähr einen halben Prozentpunkt mehr Rendite gehabt bei der Allianz als bei anderen Lebensversicherungsunternehmen. Und weil wir so viel mehr Kapitalanlageergebnis haben, weil wir besser sind in der Kapitalanlage, kriegen 90 Prozent davon unsere Kunden, plus in dem Fall nämlich 94 Prozent im letzten Jahr, und wir den Differenzbetrag. Das heißt, die Art und Weise, wie die Allianz mehr Geld verdient, ist nicht den Kunden mehr wegzunehmen als andere, sondern mehr Kapitalerträge zu erwirtschaften als andere, sondern davon einen Teil quasi für unsere Aktionäre zur Verfügung zu stellen. Du kannst das nennen eine Art Leistungsgebühr. Das gibt es auch in der Vermögensverwaltung. Wenn du zum Beispiel Geld gibst deinem Kapitalanleger, sagst, ich bezahle dir eine bestimmte Veraltungsgebühr, und dann möchte ich gerne, dass es folgendermaßen funktioniert, wenn du mehr als 6 Prozent Rendite erwirtschaftest, kriegst du davon einen Teil ab. Genauso funktioniert das. Das heißt, je mehr wir Rendite für unsere Kunden erwirtschaften, desto besser geht es auch uns. Und das ist genau, was du eigentlich willst. Du möchtest ja eigentlich, dass niemand nur Geld dafür verdient, dass er nur da ist, sondern du möchtest, dass jemand Geld dafür verdient, dass er besser ist als andere. Und da geht die Reise übrigens auch langfristig hin. Gegeben dass die Welt immer mehr Rendite hat und immer mehr Risiko werden immer mehr Kunden sagen, es ist toll, wenn du Geld verdienst, aber nur dann, wenn du besser bist als andere.

Glaubst du nicht, dass Menschen irgendwann sich sagen: Komm, ich will auch Teil einer Solidargemeinschaft sein, aber ich habe kein Interesse daran, dass mit meiner Solidargemeinschaft auch noch Geld verdient wird, oder dass andere Menschen, die gar nicht Teil der Solidargemeinschaft sind, Geld verdienen können.

Das ist ein klasse Thema. Diese Wahl hast du heute schon. Es gibt nämlich sogenannte Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, zum Teil sehr erfolgreich, die sich genauso organisieren, wie du das beschreibst. Die gibt es übrigens schon seit hundert Jahren. Und manche von denen sind auch richtig gut. Für mich ist die Frage eigentlich anders, wenn du den Vergleich machst. Du kannst das so sehen und das ist vollkommen in Ordnung. Du kannst aber,…

Das war doch gar nicht meine Frage.

Nein, nein. Am Ende des Tages kannst du aber auch sagen, welches Modell ist denn für mich und andere Versicherer da erfolgreicher? Also wo kriege ich am Ende des Tages mehr Netto für mich als Kunde heraus? Und zwar nicht nur ich, sondern alle anderen auch. Und wenn du dir jetzt mal die Renditen anguckst, die die Allianz Lebensversicherung die letzten 30 Jahre netto erwirtschaftet haben für unsere Kunden, dann waren di sehr gut. Auch im Vergleich zu einem alternativen Organisationsmodell, was du beschrieben hast, nämlich dem sogenannten Versicherungsverein.. Aber ich bin für Wettbewerb. Jeder soll da sein Geld hinbringen, wo er oder sie glaubt, dass sie die beste Rendite kriegen. Wir müssen einfach besser sein, in unserer Organisationsrolle. Wir müssen sagen, obwohl es einen Aktionär gibt, der eine Rendite aufs eingesetzte Kapital haben möchte, verdient ihr als Kunden mehr als in einem anderen Modell. Und dann werden wir erfolgreich sein. Das nennt sich übrigens Marktwirtschaft. Marktwirtschaft ist kein Selbstprinzip, sondern sie muss funktionieren. Und sie funktioniert nur solange Kunden bessere Produkte kriegen als wenn man sie in Versicherungsverein oder Kolchosen oder in anderen Selbstverwaltungseinheiten organisiert. Es gibt keinen Selbstzweck für eine Marktwirtschaft außer sie liefert bessere Produkte zu niedrigeren Kosten mit besserem Service. Und wenn das nicht funktioniert, muss man es anders machen.

Sinn dieser Produkte, es ist jetzt kein Produkt, aber E-Health… Das ist jetzt kein Produkt, aber: die Digitalisierung von Krankenversicherungen… Es gibt ja diese Apple Watch, wo ich quasi in Echtzeit überwacht werde oder reguliert wird, wie es mir geht. Das könnte ich ja auch quasi an meine Versicherung weitergeben. Ist das eigentlich ein Segen für euch?

Nein, das ist das Lustige. Es ist eigentlich ein Segen für Kunden, weil es vor allen Dingen psychologisch wirkt in der Selbstkontrolle. Dazu mal ein paar für dich vielleicht sehr überraschende Fakten: Ob du sportlich unterwegs bist, also ob du Sport machst, oder läufst, oder was auch immer, hat in etwa statistisch über lange Zeiträume, das haben wir übrigens verlässlich gemessen, nicht mehr als 1 bis 1,5 Prozent Auswirkungen auf deine gesamten Gesundheitskosten. Also du kannst deine Gesundheitskosten beeinflussen über Sport, aber das ist nicht mehr als 1 oder 1,5 Prozent.

Das wurde uns doch immer erzählt: Macht Sport, macht Sport, macht Sport.

Leider ist Sport wichtig, aber nicht gut genug. Das Wichtigste ist dass du in Summe gesund lebst. Da hat also sehr viel das Thema Ernährung mit zu tun, also einer der wichtigsten Einflussfaktoren ist, wie wir uns ernähren, wie gesund oder ungesund wir uns ernähren, und andere Faktoren… Rauchen wir oder rauchen wir nicht. Leben wir in umweltverschmutzten Städten wie Peking oder leben wir in gesunden Umgebungen. Sind wir übrigens happy oder nicht? Es gibt einen enormen Treiber für Krankheitsanfälligkeiten, ob Menschen zufrieden sind oder nicht zufrieden sind. Das heißt, wenn du mal sauber Statistik hinguckst, ich bin ja so ein blöder Ökonometriker, und du guckst dir die Daten an, die Wearables sind alle echt interessant, aber die sind nur dann interessant, weil Menschen sich mit ihrer Gesundheit beschäftigen und dann in Summe gesünder leben, nicht weil sie tausend Schritte gehen.

Aber ihr wollt euch ja auch mit der Gesundheit von mir beschäftigen. Ist da nicht irgendein Geschäftsmodell, wenn du wissen kannst, ob ich mich gesund ernähre, wie oft ich rauche, ob ich sonntags Schokolade esse oder nicht…?

Ja, aber das interessante ist doch, was wollen wir denn am Ende des Tages und was wollen wir nicht? Wir haben doch eben über den Versicherungsgedanken geredet bei der Auslandskrankenversicherung Alles das was zufällig ist, zum Beispiel weil es in deinen Genen angelegt ist, weil du das ererbt hast, Krankheiten, die wollen wir versichern. Und es ist ganz wichtig, wir sind nicht verantwortlich und wollen nicht Leute ausschließen für Dinge, die zufällig passieren. Dafür gibt es die Versichertengemeinschaft. Wir wollen das Risiko, das jemand Krebs hat oder eine andere schlimme Krankheit bekommt, die wollen wir nicht ausschließen, sondern die wird gepolt. Jetzt haben wir aber eben über bestimmte Themen geredet, die man aber beeinflussen kann. Ich wollte nur auf den Punkt kommen, Sport ist zwar ganz nett, aber damit zu rechnen, dass man riesige Prämiennachlässe bekommt, indem ihr mir Sportdaten gebt, eher nicht Übrigens kann man es sogar umgekehrt sehen. Leute, die Thekenfußball spielen und sich die Beine zerhacken am Wochenende, die sind eher Risikogruppen. Es gibt auch Sportarten, die ehrlicherweise mehr gefährlich sind, als dass sie nutzen, ja. Das kann man ja auch sehen. Aber Spaß beiseite. Wir haben natürlich trotzdem Interesse daran, Menschen dazu zu incentivieren, dass sie gesund leben.  Und wenn unsere Kunden sagen, wir wollen Ernährungsberatung haben oder wir wollen, und das ist übrigens echt wichtig, oder wir wollen wissen, gegen welche bestimmten Themen sind wir anfällig… Es gibt ja Leute, die wenn sie bestimmte viele tierische Fette zu sich nehmen, kriegen sie leichter einen Herzinfarkt und andere kriegen nicht so leicht einen Herzinfarkt. Diese Informationen sind wichtig, damit Menschen selber entscheiden können, wollen sie gesünder leben oder nicht. So, und meine persönliche Meinung ist, dass wir alles tun müssen, um Menschen dabei zu helfen, dass sie gesünder leben und nicht, und das wir dafür auch entsprechende Incentives setzen müssten. Jetzt kommt die entscheidende Frage: Nach deutschen Gesetzen dürfen wir ein einziges Mal eine Risikoprüfung machen, nämlich dann wenn jemand zu uns kommt als Versicherter. Also wenn du bei uns einen Antrag stellst und sagst, ich möchte bei euch krankenversichert werden, können wir einmal prüfen, wollen wir dich haben oder wollen wir dich nicht haben… Und gegeben unserer Risikoprämien ist das Risiko zu hoch relativ zu der Prämie oder nicht? Danach dürfen wir das gar nicht und machen das auch gar nicht. Das einzige, was wir dürfen, ist Feedback zu geben und zu sagen: Weißt du was, du könntest dich ein bisschen gesünder ernähren. Aber das ist nicht für die Gesundheitskosten der entscheidende Faktor. Sondern damit du glücklicher und länger lebst. Also wie wollen das um sicherzustellen, können wir dich gesundheitlich so versorgen, dass Folgekosten ausscheiden. Ich gebe mal ein praktisches Beispiel: Wir haben in Deutschland ein riesen Problem mit Übergewicht. Wir sind nach den USA und dem Vereinigten Königreich das Land, was den größten Anteil mittlerweile in der Bevölkerung an Übergewichtigen  hat. Das ist an sich kein ästhetisches Thema, weil mir vollkommen Wurst ist, ob die Leute dick oder dünn sind. Ja, das ist mir vollkommen egal. Aber was wichtig ist: Dadurch steigt das Risiko in der Bevölkerung enorm an, ganz schlimme Krankheiten zu kriegen, insbesondere Diabetes. Und Diabetes ist eine Krankheit, die das Leben wirklich wirklich negativ beeinflusst. Und alles, was wir gemeinsam tun können, mit unseren Kunden, Diabetes zu verhindern, und dass die uns helfen, Diabetes früh zu erkennen, wäre sowohl in unserem Interesse, weil es ist ein enormer Gesundheitskosteneffekt als auch im Interesse der Patienten. Und deswegen investieren wir in Themen wie Diabetesfrühdiagnose, um sicherzustellen, dass wir das nach Möglichkeit verhindern. Kannst du übrigens verhindern, wenn du sehr früh dahinter kommst.

Das war das Beispiel Diabetes. Was ist mit psychischen Krankheiten? Würde das das auch in Zukunft vielleicht beinhalten, dass man irgendwie zum Psychologen gehen kann und checken kann, ob man depressiv wird oder bevor das Burn-Out entsteht?

Exakt. Das machen wir übrigens bei der Allianz auch für unsere Mitarbeiter. Wir machen regelmäßig einen sogenannten Health-Check. Da werden alle möglichen gesundheitlichen Daten geprüft. Aber es gibt auch ein 20-minütiges regelmäßiges Gespräch mit einem Arzt, wo wir unsere Mitarbeiter checken, ob die nicht zu sehr gestresst sind, weil die Folgekosten von zu viel Stress sind enorm, weil die Leute, die krank werden, ausfallen übrigens zu viel essen,… Also das machen wir heute schon. Das ist gar nichts Neues. Was wir immer nur sicherstellen müssen, genau wie du sagst, wir müssen es präventiv machen. Und nicht erst, wenn das Problem aufgefallen ist.

Wenn ihr viele Daten sammelt, egal ob ihr das jetzt verwenden könnt, in Policies und du sagst ja Vertragsabschluss, mit uns kann man das nicht beeinflussen… Aber trotzdem könnt ihr ja eine Menge Daten sammeln über eure Kunden. Ihr wisst immer und immer mehr.

Ja, wissen wir auch. Und das wissen wir heute schon. Das Wichtige ist nur, dass eigentlich, und das ist auch ein ethisches Thema, unsere Kunden sollten immer wissen, was wir an Daten über sie speichern und was nicht. Du weißt bis heute vielleicht nicht, was Facebook alles über dich weiß oder Google. Also die meisten von euren Kunden werden das nicht wissen. Vielleicht würden sie sich sehr erschrecken, eure Zuschauer. Bei uns weißt du immer, welche Daten wir speichern über unsere Kunden. Da gibt es ganz strenge rechtliche Vorgaben. Übrigens viel, viel strenger als in der digitalen Welt  außerhalb unserer Industrie.

Gilt das für alle Menschen, die ihr versichert auf der Welt? Oder nur jetzt für die Deutschen?

Nein, das gilt fast überall. Du erwischst mich mit einer sehr guten Frage. Ich kann dir jetzt nicht genau sagen, ob in Indonesien zum Beispiel alle Kunden genau wissen können/ nicht tun, was wir über sie speichern. Aber es ist ein Grundprinzip, dass wir immer Transparenz darüber haben, welche Daten wir über unsere Kunden speichern. Wir wollen auch nur Daten verwenden, wo die Kunden wissen, dass wir sie haben. Das ist ganz wichtig, ein ganz wichtiges Prinzip. Wir wollen keine Daten heimlich sammeln, wie das viele, viele Internetunternehmen heimlich machen, wo ihr nicht wisst, was sie sind und was da vor allen Dingen mit gemacht wird.

Also ich werde da schon nervös, als mal unser erstes Kind geboren wurde, das ist schon lange her, vor langer Zeit, da waren die schon bei Google in der Lage, uns irgendwelche Nahrung für Babynahrung zu schicken und ich mich gefragt habe, woher wissen die das denn? Das Kind war noch gar nicht geboren. Ja, weil die Datenanalysen zusammengestellt haben und wussten, da ist ein Kind unterwegs. Das ist so. Das kann man lustig finden, ich finde das nicht lustig. Das gibt es aber bei uns nicht.

In Deutschland herrscht ja ein Datenschutz wie kaum woanders auf der Welt. Und ob ihr euch an den deutschen Datenschutz haltet oder ob das für den Rest der Welt gilt oder halt für jedes Land,..

Wir haben bei der Allianz bestimmte Datenschutzmaßnahmen, das nennen wir sogenannte Compliance-Regeln, Kundenschutzmaßnahmen, die wir weltweit anwenden. Aber ich kann dir jetzt nicht, – weil ich es nicht weiß. Ich weiß es wirklich nicht! – … für jedes Land sagen, dass wir es genauso wie in Deutschland machen. Wahrscheinlich nicht. Aber wir haben bestimmte Minimumstandards, wo wir sagen, das ist das Prinzip, wie ich es versucht habe zu erklären. Unsere Kunden sollen wissen, und haben das Recht zu wissen, welche Daten, wir über sie speichern. Wenn das einer bei uns nachfragt, dann sagen wir ihm das. Das ist bei anderen Internetunternehmen auch sehr, sehr populär und heute überall auch nicht der Fall. Und das müssen wir auch machen, denn die Menschen vertrauen uns ja. Aber nochmal: Es gibt ja diese böse Beschreibung, so nach dem Motto „Deine Versicherung sammelt Daten, um bestimmte Krankheiten, die du kriegen kannst, dann nicht bezahlen zu müssen.“ Das ist einfach nicht der Fall. Was wir gemeinsam machen müssen, ist rauszukriegen, wie besorgen wir unseren Kunden die richtige medizinische Versorgung und ganz wichtig, zu Kosten, die nicht zu hoch sind. Weil sonst wird medizinische Versorgung nicht mehr finanzierbar. Das wirkliche Problem, was wir heute haben, ist dass das Wirtschafts- und das Einkommenswachstum für unsere Bürger bei, sagen wir mal, bei 2 bis 3 Prozent liegt, dass die medizinischen Kosten aber viel stärker steigen. Das heißt, immer mehr von unserem verfügbaren Einkommen müssen wir für Medizin und medizinische Versorgung ausgeben. Ein Teil davon ist nicht zu vermeiden, weil medizinischer Fortschritt stattfindet, es gibt neue Medikamente, aber es gibt einen signifikanten Teil, der etwas mit Ineffizienz im System zu tun hat und wo die Medizinversorger versuchen, permanent die Preise zu erhöhen. Und unser Job ist es, für unsere Kunden diese Dienstleistungen in hoher Qualität, aber zu möglichst niedrigen Kosten einzukaufen.

Seid ihr so eine Art Gegenspieler von den Pharmakonzernen?

Es wäre schön, wenn wir das sein könnten. Wenn wir die Anwälte unserer Kunden sein könnten. Aber Gegenspieler würde ich das nicht nennen. Ich würde uns Partner nennen.

Ich meine, ihr habt ja ein Interesse daran, dass die Medikamente, die euer Kunde bekommt, die ihr als Versicherung bezahlt, nicht horrende Preise sind.

Exakt.

Sondern wahrscheinlich regulär, nicht aber willkürlich festgelegt sind.

Und das ist unser Problem heute Nehmen wir mal ein Beispiel. Wir hatten die Diskussion zum Thema Generika. Also du willst eine bestimmte Pille haben und die gibt es mit einem Markennamen und es gibt sie als sogenannte No-Name oder No-Brand-Produkt. In Deutschland… ich will jetzt keine Markennamen nennen, aber jeder kann sich Ratiopharm vorstellen. Und wenn die Wirkung quasi die gleich ist, warum sollen wir viel, viel mehr Geld einzahlen für die gleiche medizinische Wirkung, übrigens genau getestet. Das zweite, was wir machen könnten, ist: Wir können Fragebögen machen. Das heißt, der einzelne, der eine Blinddarmoperation hat, der geht zum Krankenhaus und sagt, das Krankenhaus kostet 5.000 Dollar. Wenn wir sagen, es gibt deutschlandweit als Industrie 5.000 Blinddärme zu operieren jedes Jahr und wir steuern das auf Krankenhäuser, die richtig spitze sind, die uns das aber nicht für 5.000 geben, sondern für 3.000, da sparen wir alle Geld und kriegen mehr Qualität. Und das ist das, was wir eigentlich im Gesundheitssystem erreichen müssen, aber heute nicht können. Weil es diese Art von entsprechender Nachfrage- und Angebotssteuerung leider nicht ausreichend gibt. Deswegen sind unsere medizinische Kosten, meiner Meinung nach, in Deutschland viel zu hoch. Viel zu hoch!

Das heißt, da müsste der Gesetzgeber mal was ändern?

Ja. Das wäre hilfreich. Das wäre hilfreich. Weil insbesondere in dem Zusammenhang zwischen Kosten und Qualität… Wir haben heute zum Beispiel keine unabhängige Qualitätsbewertung von medizinischen Leistungen. Ich weiß nicht, ob das irgendjemanden schon mal aufgefallen ist. Keine sagt mehr, na lass uns doch mal prüfen, ob die Klinik in Tadadadada genauso gut, besser oder schlechter ist, als die Klinik Tadadadada für die folgende Behandlung.

Kann man das objektiv machen?

Das kann man objektiv machen. Da ist eine echt große Lücke. Und dann kann man nämlich Preise in Kombination setzen zu entsprechender Qualität und da kann man ein entsprechendes Gespräch führen. Das was man übrigens machen muss in Deutschland meines Erachtens: Man braucht mehr Spezialisierung. Wenn du in eine Großstadt gehst wie München oder Köln, da findest du unglaublich viele Krankenhäuser, die alle das gleiche machen. Die machen Internistik, die machen Radiologie, die machen Chirurgie. Und was uns fehlt sind Spezialisierungen. Das ist das, was wir brauchen, weil wir kriegen durch Spezialisierungen sowohl bessere Qualität als auch niedrigere Kosten. Weiß jeder, es passiert aber nichts. Also wir könnten uns über das Thema Gesundheit noch einen ganzen Tag unterhalten. Aber ich glaube, wir haben noch ein paar andere Themen.

Ich wollte noch zum Thema Cyberkrieg kommen.

Ja.

Da seid ihr jetzt auch eingestiegen, oder?

Ja.

Was kann man bei euch in Sachen Internet oder Digitales Wesen oder Cyber versichern lassen?

Das ist sehr unterschiedlich. Erstens: Ob es um einen Privatkunden geht, sprich: Dich und deinen Computer und dein Netzwerk zu Hause.

Oder meine Firma?

Ja, oder um deine Firma. Als institutionellen Kunden… Wie kannst du dich vor einer Cyberattacke absichern? Und wir arbeiten mit unterschiedlichen Providern zusammen, auch mal  zum Beispiel mit einer deutschen Telekom, aber auch anderen Unternehmen, zu der Frage: Wie erstmal analysieren wir das Cyberrisiko, was du in deiner Firma, in deinem Netzwerk hast? Also was sind die technischen Risiken? Und dann können wir dich gegen den Ausfall deiner Computer und vor allen Dingen auch für die Kosten des Wiederherstellens deines Computersystems absichern? In bestimmten Grenzen natürlich, also immer. Unlimitierte Deckung gibt es nicht. Aber wir sichern sozusagen für den Fall ab, dass einer einbricht, dein System lahmlegt. Wir sichern die Kosten des Wiederherstellens ab, also alles das gibt es schon.

Interessiert ihr euch dafür, wer so etwas macht, also wer da angreift?

Ja, sehr. Und wir haben eine internationale Gruppe von Unternehmen, mit denen wir uns zusammenschalten, um zu gucken, wer welche Art von Maleware hineinspeichern. Das was sehr häufig passiert, um dir ein Beispiel zu geben, dass wir alle auf der gleichen Standardsoftware von Microsoft oder von irgendjemanden anders sitzen, und immer wenn eine neue Version kommt, stellt man fest, dass es bestimmte Hacker gibt, die versuchen, ein Virus in bestimmte Software-Releases einzubauen. Und der Vorteil ist, dass wenn man sich zusammenschaltet, wann immer eine Attacke gegen ein Unternehmen gegen ein bestimmtes Software-Release lief, ob das bei SAP oder Microsoft oder Apple ist, dass man sich sofort austauschen kann und sagen kann: Okay, guck mal, die haben die und die Art von Bug gefunden in der Software, da kommt man rein. Und da können wir in Nullkommanichts quasi das abstellen. Deswegen versuchen wir uns zu vernetzen. Aber es gibt, auch um das zu sagen, kein sicheres System her. Je vernetzter die Welt ist, desto mehr Risiken gibt es. Also wer glaubt, es gibt eine Welt, die ist komplett sicher, das wissen wir ja jetzt jeden Tag, es gibt keine komplett sichere Welt.

Kann ich mich bei euch versichern, mit meiner Firma oder so, gegen staatliche Hackerangriffe?

Gegen staatliche Hackerangriffe? Also…

Kann ja sein, dass ihr Angst habt, dass die NSA bei mir versucht reinzugucken. Kann ich mich dagegen versichern, wenn ich nachweisen kann, dass sie es getan haben?

Nein. Wir versichern ja nicht, dass jemand bei dir reinkommt.

Die NSA sorgt doch für Schaden!

Ich glaube, das machen wir unabhängig, weiß es aber nicht genau. Da muss ich meinen Chefjustiziar fragen. Das ist eine interessante Frage. Unabhängig von wer diesen Schaden verursacht. Sondern die Frage nur: Läuft dein Computer noch oder läuft er nicht? Unabhängig davon hat es einen Systemzusammenbruch gegeben, hat es ein Softwareproblem gegeben oder gab es einen konkreten…

Die Frage war ja jetzt nicht… Ich meine, wir leben ja nicht in einem repressiven Regime, aber ihr macht ja auch Geschäfte in China. Ihr bietet ja wahrscheinlich dieselben Versicherungen in China an.

Nein.

Bietet ihr nicht?

Nein, das tun wir nicht. Wir machen es immer da, und das ist eine gute Frage, wo du bestimmte rechtliche Voraussetzungen hast, wo auch übrigens das Haftungsrecht klar ist. Du musst ja eine Versicherungsprämie kalkulieren können. Das heißt, wir müssen zwei Sachen einschätzen können. Wir müssen einmal wissen, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist es, dass es zu einem Schaden kommt, das ist die eine Determinante und zweitens: Wie groß ist der ökonomische Schaden, der dann entsteht? Weil nur so können wir ja eine Prämie kalkulieren. Wenn das nicht kalkulierbar ist, weil der Staat zum Beispiel die Systeme lahmlegen würde, und das möchte ich China jetzt nicht unterstellen, aber wenn es denn so wäre, dann können wir das nicht versichern. Das prüfen wir immer pro Land, aber auch für eine bestimmte Industrie.

Ich habe bei dem CeBIT-Talk gesehen, dass ihr bei Duo und in Chin macht ihr schon Geschäfte.

Ja, wir bauen gerade ein Jointventure auf, wo es darum geht, Internethandel mit Versicherungsprodukten zu unterlegen. Also nehmen wir mal ein klassisches Beispiel: Du kaufst irgendwie online ein Produkt und dieses Produkt wird zu dir verschickt, zu dir nach Hause geschickt. Dann kannst du heute schon ganz normal das Transportrisiko absichern, nämlich dass irgendjemand das Paket klaut oder kaputt macht. Also um nur ein Beispiel zu nennen: Deine Freundin kauft bei Zalando ein paar Schuhe, und die verschwinden oder sind demoliert. Das ist heute ein normaler Transport von Versicherungen, die du hast, von der Bewegung. So kann man sich das auch in der virtuellen Welt vorstellen. Wenn du also digitale Güter handelst, dann gibt es gewisse Risiken, dass der Wert dieser zum Beispiel Dienstleistung morgen weniger Wert wird als heute. Und das, wenn das versicherbar ist, sichern wir ab. Oder du kaufst online ein iPad. Und du möchtest gerne, wenn das Ding herunterfällt und kaputt geht, die Reparatur absichern. Das machen wir auch. Das sind die Produkte, die da sozusagen angeboten werden.

Noch zwei kleine Themen.

Ja.

…bevor wir zu den Zuschauerfragen kommen. Einmal Klimawandel.

Ja.

Ich habe gelernt, ihr verabschiedet euch von Kohle.

Ja.

Geht in den Wind?

Das machen wir schon lange.

Also der Hintergrund ist Folgendes: Wir haben ja eben über unsere Unternehmenswerte geredet. Das Thema Kompetenz – Integrität – Nachhaltigkeit. Wir haben irgendwann mal gesagt, wir sind als größter institutioneller Investor in Europa müssen wir die Verantwortung wahrnehmen, dass wir nicht nur sagen können, wir machen nur Rendite, sondern wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung. Und es kam ja in den letzten Jahren immer mal wieder unterschiedliche NGOs zu uns in die Hauptversammlungen und die haben uns kritisiert, weil sie gesagt haben, ihr macht Rohstoffhandel, ihr macht das. Und häufig stimmte das gar nicht. Das war einfach eine Wahrnehmung. Leute haben das nicht richtig verstanden. Und da haben wir festgestellt, das ist nicht deren Problem, sondern das ist auch unser Problem. Wir erklären nicht genug, was wir in der Kapitalanlage machen und was wir nicht machen. Also haben wir uns überlegt, wir möchten jetzt gerne unsere Kapitalanlagepolitik nicht nur nach Renditekriterien und nach Risikokriterien beurteilen in der Finanzmarktlogik, sondern auch nach sogenannten Nachhaltigkeitskriterien. Und wir haben uns mit Transparency International, World Wide Fund for Nature WWF und Germanwatch zusammengesetzt und gesagt, jetzt lass uns doch mal – wir sind bei 35 Kriterien herausgekommen – überlegen, nach welchen Beurteilungskriterien wollen wir eigentlich unsere Kapitalanlage entscheiden? Das testen wir gerade. Wir haben also die Methodik dann gemeinsam mit einem Datenprovider sozusagen verfeinert. Denn wir müssen ja Daten haben über unsere Kapitalanlagen zu wissen, wie nachhaltig sind die denn? Also du brauchst ja objektivierbare Daten. Wir handeln ja jeden Tag Milliarden Kapitalanlagen. Also das muss auch datentechnisch sauber überlegt werden. Und im dritten, vierten Quartal werden wir an die Öffentlichkeit gehen und sagen: Hier sind die 35 Kriterien. Die werden wir so und so anwenden. Und danach investieren wir in Zukunft, um immer nachhaltiger zu werden. Und eines der ersten Ergebnisse, und jetzt komme ich zu deiner Frage, war,  wir wollen aus Kohle raus. Nicht nur, weil es ein Nachhaltigkeitsproblem ist, sondern weil es für keine Industrie ein attraktives Investment sein wird. Also wir verbinden immer ökonomische und Nachhaltigkeitskriterien. Wir sind nicht Gutmenschen. Wir sind ein marktorientiertes Unternehmen, aber wir haben Verantwortung. Zweite Bemerkung: Wir können es nicht allen rechtmachen. Okay, ich gebe dir mal ein Beispiel: Es gab Leute, die kamen zu mir und haben gesagt, Sie dürfen keine Autos mehr versichern, weil die geben ja Kohlenmonoxid ab und verschmutzen die Umwelt. Und solange Sie Autos versichern, wird Umwelt verschmutzt. Da haben wir dann irgendwann gesagt: Sorry, das ist ein bisschen schwierig. Das ist ja so ähnlich, wie zu sagen, wir versichern keine Kühe mehr, weil die geben auch CO2 ab.

Du auch.

Ich auch. Also irgendwann kommt es an einen Punkt, wo man sagen kann, oder sagen muss: Wie weit gehen wir und wie weit gehen wir nicht? Aber im Unterschied zu anderen stellen wir uns der Diskussion und sagen, hier sind die Kriterien, die wenden wir an. Wir werden nicht jeden glücklich machen. Wir werden nicht jeden Veganen überzeugen. Nicht jeden überzeugen überhaupt keine fossilen Brennstoffe mehr, weil die Welt funktioniert die nächsten paar Jahre ohne fossile Brennstoffe nicht. Aber wir wollen die Migration von fossilen zu erneuerbaren Energien aktiv unterstützen. Aber mit Augenmaß und nicht mit Dogmatik.

Das ist ja jetzt der Zukunftsausblick gewesen. Es gibt ja jetzt schon aktuelle Auswirkungen von Klimawandel, nicht? Es kann ja irgendwo einen Tsunami geben und da muss die Allianz dann einspringen.

Ja, tun wir auch.

Seid ihr eigentlich gegen Tsunamis versichert? Ich habe mal gelesen, es gibt Rückversicherungen.

Ja.

Kannst du das mal erklären?

Ganz einfach: Wenn wir Risiken übernehmen, zum Beispiel wir versichern in Europa viele, viele Bürger gegen die Folgen von Sturm. Ja, Abdeckung, Dachabdeckung, Fenster werden eingedrückt. Und wenn wir bestimmte Szenarien rechnen und sagen, es gibt in Europa in einem Jahr mal nicht 1,2 Stürme, sondern 10 und dann gibt es 20 Fluten, so wie wir sie in Ostdeutschland hatten in Europa. In Frankreich, in der Po-Ebene gibt es und Deutschland, dann würden die aufaddierte Schadensummen so groß werden,  dass der Verlust, den wir da haben, relativ zu unserem einen gesetzten Eigenkapital nicht zu hoch wäre, dass wir wenig verkraften können, aber zu teuer. Und unsere Aktionäre würde sagen, dafür musst du soviel Kapital vorhalten mit sehr hohen Kosten, dass sich das für uns nicht rechnet. Also gehen wir dann zu unserem Nachbar, der Münchner Rück oder der Schweizer Rück, und sagen: Für alle Schäden ab einer gewissen Höhe kaufen wir uns bei euch zusätzliches Kapital ein, aber nur für den Fall, dass es 20 Fluten gleichzeitig gibt. Das ist ein sehr, sehr, sehr unwahrscheinliches Ereignis. Nur da sich die Menschen ja auf uns verlassen, wollen wir nicht in der Situation stecken, dass der Schaden eintreten wird und dann die Leute sagen: Wo ist denn eure Kohle? Das heißt, wir verteilen das Risiko in der Welt über die Rückversicherer so, dass die Kapitalkosten für dieses Risiko immer immer kleiner werden. Das ist einer der Gründe, warum wir halt auf unserer Größe weniger Risikokosten haben als man sie anders haben würde. Deine Frage von vorhin, du hast ja gesagt zurecht, Mensch das muss ja bei euch billiger sein…

Ja.

Das ist billiger in der Verteilung, richtig. Aber wir haben auch mehr Kapital als andere, haben wir eben schon besprochen. Kann man übrigens leicht erkennen. Sagt dir das Thema Kreditrating was? Dass Unternehmen so ein Kreditrating haben?

Ratingagenturen.

Exakt.

Und die haben alle mal einen Fehler gemacht in der Finanzkrise. Aber prinzipiell kann man sagen, ein Land wie Deutschland, das Tripple A hat, also das höchste Kreditrating bei Standard & Poor’s, hat eine ganz ganz geringe Wahrscheinlichkeit pleite zu gehen und Unternehmen, die ein niedriges Kreditrating haben, können viel leichter pleite gehen. Die Allianz hat ein sogenanntes Double A-Rating. Das ist das zweithöchste auf der Welt, was es gibt.

Nicht Tripple A?

Nein, nicht Tripple A, weil die Kosten dafür wären so hoch, dass deine Versicherungsprämie zu hoch würde. Wir haben uns gesagt, das ist für uns der optimale Punkt zwischen Sicherheit und Kapitalkosten. Aber viele Versicherer haben schwächere Ratings. Und das heißt, nochmal zu dem Punkt, du musst dir als Kunde darüber im Klaren sein, wenn einer ein schwächeres Rating hat, kann der auch mal pleitegehen.

Du hast das schöne Wort Risikokosten verwendet. Würden eure Risikokosten noch steigen, wenn ein Klima-Leugner US-Präsident wird? Ich meine, es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Donald Trump oder ein Ted Cruz US-Präsident wird. Die sagen sich, wir wollen mit dem ganzen Klimawandelkram nichts zu tun haben. Amerika wird da nichts machen. Das würde ja bedeuten, dass die Welt an sich wahrscheinlich sehr viel weniger für den Klimawandel, also für die Folgen des Klimawandels tut. Würde das euch dann eure Kalkulation kaputtmachen?

Nein, glaube ich nicht. Also erstens glaube ich nicht, das was die Leute da erzählen, sie am Ende des Tages tun. Weil viel gequatscht wird im Wahlkampf. Und am Ende des Tages sind die amerikanischen Bürger mittlerweile davon überzeugt, dass sie ihre Wirtschaft nachhaltig aufstellen müssen. In Amerika gibt es mehr Investitionen in Windkraftwerke als in den meisten anderen Regionen dieser Welt. Also die Fakten im täglichen Leben, also was quasi die Energien-Erzeuger machen, sind die amerikanischen Bürger. Das sind ja nicht die rechten Republikaner, sondern alle, ist der Zug schon abgefahren. Also dass man sagt, die drehen sich jetzt rum und motten alle ihre  Windkraftwerke ein, das glaube ich nicht. Also ich habe ein sehr großes Vertrauen… nicht in einzelne Politiker, aber in die Verantwortung der amerikanischen Bürger. Und das kannst du naiv nennen, oder nicht. Aber ich glaube, dass es mittlerweile so ist, dass die Wirtschaft das Thema nachhaltige Energieversorgung mindestens genauso treibt, wie die Politik. Da war Paris sehr interessant. Weißt du, dieses Cop21-Meeting. Vorher hieß es immer, die Politik macht nichts, weil die Wirtschaft dagegen ist. Kennst du diese Bilder?

Habe ich gehört, ja.

Frag mal Frau Figueres, das ist die UN-Verantwortliche für das Thema Klimaschutz, die sitzt in Bonn übrigens. Eine total interessante Frau! Die hat im Wesentlichen gesagt, dass die Politik sich jetzt bewegt, weil die Wirtschaft sie treibt. Zum ersten Mal in unserer Geschichte hat die Wirtschaft verstanden, dass du mit fossilen Brennstoffen nachhaltig die Welt nicht mehr managen kannst. Das heißt, das hat sich gedreht. Und deswegen glaube ich, geht das Ding so leicht nicht mehr zurück. Die Frage, ist nur noch, mit welcher Geschwindigkeit machen wir das – nicht mehr ob. Und ob diese Geschwindigkeit ausreicht… Dem einen geht es zu schnell und dem anderen geht es zu langsam. Aber die Richtung ist eineindeutig.

Ich bin so ein Teil von einer Gruppe, die heißt das WeTeam. Da sind so ein paar verrückte Unternehmer und zum teil auch Politiker, sogenannte Weltverbesserer sage ich immer, die möchten gerne, das Thema einer nachhaltigen Wirtschaft nach vorne treiben. Und wenn du dich mit den Themen im Detail beschäftigst, stellst du fest, Nachhaltigkeit ist kein Widerspruch zum Wachstum, sondern im Gegenteil. Im Gegenteil! Zum ersten Mal können wir empirisch nachweisen, dass Unternehmen, die sich nachhaltig aufstellen, es gibt Unternehmen wie Unilever, der Richard Branson macht das, da kannst du in den Zahlen sehen, dass es sich lohnt, nachhaltig zu wirtschaften. Und das ist, glaube ich, ein Zug, der immer jetzt in die gleiche Richtung fährt. Ich bin da vielleicht zu sehr Optimist. Natürlich am Rande müssen wir aufpassen, dass wir das Richtige tun. Und meine Sorge liegt vor allen Dingen in den Entwicklungsländern, die sagen: Alle Anforderungen, die ihr stellt, stellt ihr uns jetzt, nachdem ihr die ganze Welt schon versifft habt. Das ist das eigentliche Problem.

Als ich ein kleines Kind war, ich bin ja in Köln aufgewachsen, durfte ich nicht im Rhein schwimmen, weil der war damals so verdreckt mit Chemikalien, die kamen alle aus den Schweizer Chemiekonzernen und den anderen, dass es keine Fische gab, es gab nichts mehr. Und mein Vater hat mir strengstens verboten – aus gesundheitlichen Gründen – zu schwimmen. Heute gibt es wieder Lachse. Wir haben das also 35 Jahre lang aufgeräumt. Jetzt können wir uns natürlich fett zurücklehnen und sagen: Mach mal schön einen auf Umweltschutz, nachdem wir sozusagen das alles versifft und aufgeräumt haben. Es gibt viele, ich habe viele Freunde, die ich habe, in Indien und anderen Ländern, sagen: Es ist ja wunderbar, dass ihr uns jetzt Vorschriften machen wollt, keine Kohlekraftwerke zu haben, keine Ölkraftwerke. Unsere Leute brauchen aber Arbeit, brauchen Wirtschaftswachstum. Und wir werden uns dann um Nachhaltigkeit kümmern, wenn wir auch mal durch die Phase durchgelaufen sind wie ihr. Das heißt für mich, ist die wesentliche Aufgabe: Wie können wir sicherstellen, dass die Fehler, die wir gemacht haben in Köln am Rhein, und den ganzen Dreck, dass die die nicht machen. Praktisches Beispiel: Möglichst preiswerte Energie hinzubekommen für möglichst saubere Gaskraftwerke und Gas statt Kohle versuchen produktiv zu machen. Gasturbinen preiswert anzubieten oder Wasser zu säubern, oder andere Abwasserstrukturen zu schaffen, was sehr wichtig ist. Du brauchst aber in den Entwicklungsländern dramatisch preiswertere Technologie als wir uns die hier im Westen leisten können. Und da müssen wir jetzt investieren und sagen, also wie helfen wir Indien zu wachsen ohne die Welt zu versiffen? Wie helfen wir China zu wachsen, ohne die Welt zu versiffen? Das ist das, was wir jetzt angehen müssen. Weil die sind aus Sicht diejenigen, die am meisten zu CO2-Emissionen beitragen werden.

Ein schönes Schlusswort.

Vielen Dank.

Wir machen jetzt noch ein paar Fragen von den Zuschauern.

Ja, gerne.

Wir fangen gleich bei der ersten an, weil wir sind eine politische Sendung. Die Leute wollten wissen, warum ihr Parteispenden… also warum ihr spendet an alle Parteien in Deutschland, an CDU, SPD, FDP, Grüne – aber nicht an die Linkspartei.

Und an die AfD auch nicht.

Ja, das wäre die Nachfrage gewesen.

Jaja.

Also erstens, wir haben uns auf der Gruppenebene der SE entschieden 2014, dass wir keine Parteispenden mehr machen.

Ah!

Also Parteispenden macht nur unsere deutsche Gesellschaft und eben nach einem bestimmten Schlüssel. Und da gab es ein paar Kriterien, übrigens sind die Beträge klein, ich habe sie nicht im Kopf. Ich glaube so 5.000 Euro pro Partei, wo es um das Thema geht Finanzierung von Grundsatzarbeit für alle, die mit der sozialen Marktwirtschaft konform liegen. Der Grund, glaube ich, warum die Deutschen gesagt haben, die Linke nicht, ist weil die Linke klar sich ausspricht gegen soziale Marktwirtschaft. Die spricht sich gegen jede Form von Marktwirtschaft aus. So und deswegen sagen wir jetzt ausgerechnet Leute zu finanzieren, die gegen soziale oder jede Art von Marktwirtschaft ist, das ist nicht ganz unser Geschäftsziel.

Ich persönlich bin kein großer Fan von Parteispenden.

Kann ja auch sein, dass die Linke keine Unternehmensspenden annimmt.

Das kann auch sein, weiß ich nicht.

Und AfD? Die sind ja auf jeden Fall für Marktwirtschaft.

Bin ich mir nicht so sicher. Lies mal das Parteiprogramm.

Ja.

Da steht das Gegenteil drin.

Ja?

Ja. Die sind für eine sehr stark gelenkte Wirtschaft. Aber auch sonst würden wir die nicht unterstützen.

Die sind zum Beispiel für die Privatisierung von vielen Sozialversicherungen. Das müsstet ihr doch interessant finden.

Nein. Haben wir ja vorhin auch besprochen, es gibt ja nicht ein sauber funktionierendes System.

Gut.

Privatisierung ist nicht immer die richtige Antwort. Können wir jetzt lange darüber reden. Wenn wir mal über Infrastrukturfinanzierung reden oder so. Aber gut, du hast sicherlich noch andere Fragen.

Die Grit Bananenrepublik will wissen, ist Folgendes ein guter oder schlechter Tipp: Sollte die Versicherungsbranche die Negativzinsen schneller einführen, damit diese einen Finanzpolster hätte, um das Zahlungsverbot und Herabsetzung von Leistungen für die Kunden zu umgehen, die die Finanzkrise täglich grüßt…? Das ist doch mal eine Frage!

Sehr komplizierte Frage. Ich antworte mal so: Erstens glaube ich daran, dass dieses Thema negative Zinsen und Ultraniedrigzinspolitik nicht durchzuhalten ist. Ich weiß nicht, wie lange wir sie haben werden,…

Haben die Japaner damals auch gesagt, nicht?

Exakt. Aber das ist, wie man an Japan auch sehr schön sehen kann, es hat nicht geholfen. Also negative Zinsen, da gibt es allein geldpolitisch unterschiedliche Meinungen. Das ist übrigens ein wie Religion, das ist eine normative Debatte, weil es keine empirische Evidenz gibt. Es gibt aber zumindest keine empirische Evidenz zu der Frage, ob es klappt. Meine konkrete Antwort ist, ich halte da nicht so viel von. Was wir machen müssen, ist immer weniger Geld in Staatsanleihen anzulegen. Das ist sowieso richtig. Und immer mehr alternative Anlageformen zu finden, die unseren Kundinnen eine Welt von negativen oder Nullzinsen trotzdem ausreichende Renditen geben. Das sind zum Beispiel Immobilien. Das sind illiquide Anlagen in Infrastruktur, also Brücken, Energienetzwerke und solche Waren. Das ist unser Job. Also da Rendite finden für unsere Kunden, wo andere keine Rendite für finden.

Am besten ein bisschen kürzere Antworten, damit wir alle durchbekommen.

Jawohl!

Also was hältst du von der Riesterrente?

Prinzipiell finde ich Altersvorsorgeförderung genau richtig. Das Thema Riesterrente… Ich nehme mal an, Hintergrund der Frage ist, dass die Kosten dafür zu hoch sind, die Vertriebskosten zu hoch sind. Ich halte das Problem bei der Riesterrente, dass sie zu kompliziert ist. Und deswegen wünsche ich mir für die Zukunft eine etwas einfachere Altersvorsorge und Förderungsmöglichkeit. Aber prinzipiell hatte die Riesterrente die richtige Idee – nämlich zusätzliche Altersvorsorge staatlich zu unterstützen. Weil die Menschen, insbesondere mit niedrigen Einkommen, nicht viel sparen. Das Produkt war aber zu kompliziert und deswegen haben viele Leute mit niedrigem Einkommen eben nicht gespart. Insofern wurde der Zweck, wenn ich mal ganz offen sagen soll, nur begrenzt erreicht.

Alex will wissen, wäre eine einheitliche gesetzliche Versicherung nicht wesentlich effektiver im Sinne der Solidarität als verschiedene Versicherungen?

Oh, super. Wir können auch eine Einheitskolchose aufmachen. Also wir können ein Autounternehmen haben, wir könnten eine Bank haben, eine Versicherung, eine Zeitung, ein Sender. Wäre vielleicht viel solidarischer. Hat Karl Marx auch schon mal geschrieben.

Nordkorea.

Hat aber glaube ich nicht gut funktioniert, genau. Wie in Nordkorea. Und dann entscheidet einer, was dann passiert. Ist sehr viel einfacher. Ich brauche mein Gehirn nicht. Die Welt ist auch viel simpler, das stimmt. Also das wäre der Vorteil, stimmt. Aber das, glaube ich, wäre nicht meine Welt.

Macht ihr Geschäfte in Nordkorea?

Nein.

Gibt es noch ein anderes Land, wo ihr keine Geschäfte macht?

Ja, diverse. Aber das hilft jetzt nicht. Wir haben so ein paar Kriterien wie Korruption und so weiter. Es gibt Länder, in denen wir zum Beispiel Privatkundengeschäft betreiben, aber nicht mit Regierungsinstitutionen. Wir sind zum Beispiel seit fast 100 Jahren in Westafrika. Und da sagen wir, wir machen bestimmte Geschäfte mit Privatunternehmen, aber nicht mit der Regierung.

Was empfiehlst du jungen Menschen, die eine große berufliche Karriere planen? Hast du einen Geheimtipp?

Was ist denn „eine große berufliche Karriere“?

Na zum Beispiel Menschen, die Vorstandsvorsitzender werden wollen.

Ein Tipp ist: Finde deine Begeisterung. Finde deine Begeisterung. Ich glaube, man kann nur in etwas gut sein, wenn man es wirklich mag. Also irgendetwas nur zu machen, weil man glaubt, weil man viel Macht oder viel Geld verdient, das funktioniert nicht. Man muss das, was man macht, muss man wirklich lieben. Und dann wird man auch darin gut.

Olli, was hältst du von einem höheren Spitzensteuersatz?

Gute Frage. Der Spitzensteuersatz, den wir heute haben… Also ich bezahle fast 50 Prozent von dem, was ich heute verdiene, gebe ich an Abgaben ab. Ist eine soziale Frage, ob das richtig oder falsch ist. Ich bin der Meinung, dass man weniger laufende Erträge, also was ich verdiene, besteuern soll, aber dass man mehr große Vermögen besteuert. Weil ich der Meinung bin, dass insbesondere das Thema Erbschaftssteuer nicht konsequent ist. Ich bin dafür, dass man Leute, die hart arbeiten weniger stark besteuert, das ist vielleicht ein bisschen selbstinteressiert. Aber Leute, die nur Kohle von ihren Eltern oder Vorfahren kriegen und nichts dafür getan haben, die würde ich stärker besteuern.

Das betrifft deine Kinder.

Genau. Die kriegen von mir eine tolle Ausbildung, aber die sollen mal schön selber arbeiten. Es gibt diesen alten Spruch „Flieg Business Class, sonst machen es deine Erben.“

Ich bin gespannt, ob du die Frage jetzt verstehst. Also ob du kinokulturell so bewandert bist. Wird die Allianz sich weiterhin gegen das Imperium auflehnen? Wie finanziert ihr die Rebellion?

Wenn das Imperium die EZB sein soll, also die Zentralbank mit Nullzinsen, was ich mir als einziges Imperium vorstellen kann, die so ein bisschen evil sind und ihre eigenen Regeln befolgen, dann würde ich sagen: Das ist nicht mein Job. Das ist der Job der Politik. Die Politik hat ein Zentralbanksystem geschaffen, das unabhängig ist mit der Idee. Die sollen keine Staatsfinanzierung machen mit der Geldfirmpolitik. Jetzt macht aber die Zentralbank Staatsfinanzierung. Und da muss man sich die Frage stellen: Dann will ich doch lieber demokratische Kontrolle. Also ich hoffe, dass die genau überlegen, was sie tun, denn irgendwann ist ihre Unabhängigkeit futsch. Das wäre schlecht. Aber leider die Folge aus etwas, dass sie etwas tun, was sie nicht tun sollten.

So habe ich die Frage gar nicht interpretiert. Das war für mich eine Star Wars Frage.

Ja.

Es gibt dort das Imperium, die Rebellen, …

Ja.

Ja.

Ich sehe mich lieber als Rebell als das Imperium. Insofern…

Haben wir noch fünf Minuten?

Klar. Ich gebe ja viel zu lange Antworten.

Jonas will wissen: Macht dich dein Job glücklich?

Ja sehr. Es ist aber sehr anstrengend.

Florian will wissen: Macht Geld glücklich?

Nein, aber es macht das Unglücklichsein erträglicher.

Wie viel verdienst du im Jahr?

Steht im Geschäftsbericht drin.

Sag.

Letztes Jahr habe ich, glaube ich, eine Gesamtvergütung gehabt von ungefähr 5 Millionen Euro.

Findest du das angemessen?

Ja.

Ja?

Das entscheide ich aber nicht, ob das angemessen ist oder nicht. Sondern das entscheidet der Aufsichtsrat und der Wettbewerb.

Du hast dich ja quasi zur Wahl gestellt als Vorstandsvorsitzender. Hast da ja gewusst, was auf dich finanziell zukommt.

Ja, aber das schwankt sehr stark. Wenn ich keinen guten Job mache, dann kann mein Gehalt… Das kannst du übrigens im Geschäftsbericht auch sehen. In 2009 und 2011, wo unsere Ergebnisse echt schlecht waren, dann ist die Vergütung auch mal 40 Prozent nach unten gegangen. Also dieses Image da draußen, die Leute verdienen immer Geld, scheißegal ob es gut für die Kunden geht oder für die Aktionäre, stimmt bei der Allianz nicht. Gab es bei der ein oder anderen Bank, aber bei uns stimmt das nicht. Kannst du checken!

Camel Guy will wissen: Profitiert die Allianz von Terror? Er erklärt es: Also schließen Menschen nach einem Terroranschlag zum Beispiel mehr Lebens- oder Gebäudeversicherungen ab als sonst?

Nein, tun sie nicht, tun sie nicht. Viele Leute kriegen Angst, aber interessanter Weise denken sie gar nicht darüber nach, ob sie geschützt sind. Jetzt kann man darüber nachdenken, ob das gut oder schlecht ist. Also im Sinne von: Ist das gut oder schlecht? Es gibt Länder, wo die Leute abgesichert sind prinzipiell gegen Primärrisiken, nicht Terror aber zum Beispiel Sturm und andere Länder gar nicht. Also zum Beispiel in Deutschland sind wir gut abgesichert. In Italien sind die Leute überhaupt nicht abgesichert, weil sie sich keine Gedanken machen.

Welchen transatlantischen Organisationen gehörst du an?

Transatlantische Aktionen?

Organisationen.

Organisationen. WeTeam haben wir mal besprochen. Ich mache wenige Organisationen. Es gibt so eine Versicherungstruppe, aber nichts was irgendwie spannend wäre.

Profitiert die Allianz von Flüchtlingen?

Nein, im Gegenteil. Wir haben – und da sind wir echt stolz drauf, einiges dafür getan, insbesondere in Deutschland, um den Flüchtlingen hier zu helfen. Ich gebe dir ein Beispiel: Wir haben ein paar leerstehende Gebäude gehabt in Deutschland, die wir freigestellt haben, übrigens auch in der Umgebung meiner Heimatstadt Köln, wir haben sehr viele Mitarbeiter, die hier am Bahnhof stehen, wenn Flüchtlinge ankommen und denen helfen. Wir setzen übrigens Arbeitnehmer frei, wir geben denen also echte Freizeit. Also profitieren… Weiß ich nicht! Wenn dann nur indirekt über unser Engagement.

Leon will wissen, warum du dieses Interview angenommen hast.

Wir haben es eben ja schon mal besprochen: Weil ich es klasse finde, dass es hier einen direkten Draht gibt zu euern Zuschauern und… Ich wollte gerade Kunden sagen.

Informationskunden, das wäre…

Ja, weil du kriegst… Das beste an euerm Medium ist, du kriegst unmittelbares Feedback. Du hast nicht diesen Filter wie bei Zeitungen oder anderen Medien, wo Redakteure sagen: Wir wissen, was die Wahrheit ist. Ihr seid in direktem Zusammenhang zu eurer Community. Und das finde ich spitze.

Hast du hierfür Kommunikationstraining genommen?

Nö.

Hast du aber schon mal Kommunikationstraining gehabt?

Jawohl.

Muss man haben?

Mache ich aber weniger für dies Medium in der Vergangenheit, als es um die Frage ging: Wie macht man Live-Fernsehen und so etwas. Da hatte ich ordentlich Manschetten vor, ja.

Haben wir alle.

Benito will wissen, was ist an der Geschichte dran, dass Atomkraftwerke nicht zu versichern sind?

Atomkraftwerke sind nicht einzeln zu versichern, weil die Risiken so groß sind. Deswegen gibt es in vielen Ländern sogenannte Atompools. Das heißt, alle Atomkraftwerke werden gemeinsam versichert und die Risiken werden auf ganz viele Versicherer verteilt, sodass wir eine bessere Risikodiversifikation bekommen. Das ist ganz einfach, weil das Einzelrisiko ist auf einem Kraftwerk so groß, wenn da etwas schief geht, dass ein einzelnes Versicherungsunternehmen das nicht packen könnte. Deswegen organisiert man diese Pools.

Findest du die Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen cool?

Nein, finde ich nicht cool. Ich finde Grundeinkommen gut, aber nicht bedingungslos. Ich finde, jeder der etwas raushaben will aus eine Community, muss auch etwas reingeben. Was heißt das? Wenn jemand zu Hause sitzt und sagt, die Kohle kommt immer, egal ob ich hier einen Beitrag leiste oder einen positiven Beitrag, das finde ich nicht gut. Weil dann gibt es immer mehr Leute, die sagen, dann tue ich eben nichts. Ich glaube immer, zu einem Recht gehört auch eine Pflicht. Wenn einer sagen würde, du kriegst eine gewisse Grundversorgung, dafür musst du aber bestimmte Dienstleistungen erbringen für die Community – das kann im Sozialbereich sein, das kann beim Aufräumen und Reinigen der Stadt sein, dann finde ich das gut. Aber keine Leistung ohne Gegenleistung. Außerdem wird das echt schweineteuer. Wir haben das mal durchgerechnet. Wir können das gar nicht finanzieren in Deutschland – gegeben, dass die Leute sich dann nicht mehr incentiviert fühlen. Das ist wichtig. Ich glaube tatsächlich, man muss Menschen helfen, die wollen, aber nicht können. Also sprich: Wenn zum Beispiel jemand behindert ist oder krank, dem müssen wir vielmehr helfen. Da machen wir in Deutschland viel zu wenig. Wir geben viel zu viel Geld an Leute, die Systeme ausnutzen, haben dann zu wenig für andere. Das ist mir wichtig. Und zweitens sollten wir mehr Respekt haben und mehr Einkommen für Menschen, die echt harte Jobs machen, Krankenschwestern und andere, wo es aber nicht gut läuft. Aber Leute, die nichts tun, das würde ich nur im Ausnahmefall tun und wie gesagt: dann bitte auch nur über einen Gegenwert für die Community.

Was ist das Unsicherste, was ihr versichert?

Das Unsicherste, was wir versichern… Also das Gefährlichste, was wir versichern, sind tatsächlich Naturkatastrophen. Also ein Tsunami oder ein riesiger Windsturm. Weil das Unsicherste heißt der größte Schaden, der entstehen kann. Es können viele viele Milliarden Schaden verursacht werden durch große Fluten und Stürme, das ist das, was wir versichern.

Werden mithilfe der Allianz auch Rüstungskonzerne und Waffenhersteller finanziert oder versichert, will Jojo wissen…

Das Thema Rüstung ist sehr kompliziert. Wir haben sehr strenge Vorschriften gegeben für welche Art von Waffen wir nicht machen. Alles das, was in den UN-Konventionen, Geneva Conventions ist. Also Clusterbombs, Atomwaffen usw. das machen wir alles nicht. Aber du kannst natürlich auch Unternehmen haben, die ein Gewehr herstellen. Da ist die Frage: Versicherst du Unternehmen, die Gewehre herstellen, ja? Davon haben wir ein paar.

Was war noch? Waffenhersteller, Rüstungskonzerne.

Die letzten vier. Siehst du eine Zukunft für unser Wirtschafts- und Finanzsystem, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird?

So, das ist schwierig für eine kurze Antwort. Also das Thema ist, es ist tatsächlich so, dass es in einer globalisierenden Welt, vor allen in einer digitalen Welt, immer mehr Menschen geben wird, die schnell sehr, sehr reich werden. Unermesslich reich werden. Also Mark Zuckerberg’s 40 Milliarden. Warum? Wenn du eine super Idee hast, auch zum Beispiel mit deinem Ding, kannst du das global skalieren. Das ist also nicht mehr irgendwie… du baust einen Autohersteller und der verkauft dann Autos in Köln und in Hamburg und dann in Deutschland. Du kannst globale Produkte erzeugen, die rasend schnell erfolgreich sind. Das heißt, die Möglichkeit enorm reich zu werden – relativ zum Normalbürger – nimmt exponentiell zu, auch mit globalen Geschäftsmodellen. Das heißt, per Definition kommen wir in eine Welt rein, wo es immer mehr Abstand geben kann zwischen jemanden, der wirklich eine geniale Idee hat, und die global ausrollt, und jemanden, der keine Bildung hat und lokal irgendwie sich nicht differenzieren kann. Weil wir in einer Wissensgesellschaft sind. Da müssen wir sehr sorgfältig mit umgehen. Weil es die Gefahr gibt, dass Menschen, die nicht gebildet sind, immer weniger Einkommen kriegen, weil sie können durch Computer ersetzt werden, durch Maschinen ersetzt werden, und du kriegst immer weniger Einkommen. Versus die, die wirklich etwas Tolles können oder eine tolle Idee haben. Das kannst du nicht wegregulieren. Das einzige, was wir machen müssen, wir müssen dafür sorgen, dass das Wichtigste ist, dass die Bildung für die Leute, die keine Bildung haben, dramatisch verbessert wird. Es ist ehrlicherweise eine Bankrotterklärung, dass wir so eine – Entschuldigung, jetzt benutze ich mal ein Umgangswort… – so eine beschissene Ausstattung haben, was Kitas angeht, Kindergärten, Schulen. In dem Land von Goethe und Schiller sind wir nicht in der Lage, die beste Bildung zu haben. Das ist das allerwichtigste, was wir machen müssen, um vor allen Dingen soziale Migration zu ermöglichen. Wir haben nämlich nicht nur ein Problem, dass reich und nicht rein auseinanderlaufen, sondern dass du nur dann noch eine soziale Chance hast, wenn du Zugang hast zu toller Bildung. Und die leider korreliert auch immer mehr mit Einkommen. Das geht gar nicht. Woran ich nicht glaube, ist… nochmal zu dem Spitzensteuersatz: Du kannst den Spitzensteuersatz von 45 oder 55 Prozent anheben, dann zahle ich halt noch 100.000 Euro Steuer. Damit hast du das Bildungssystem und das Thema der sozialen Durchlässigkeit null gelöst. Null gelöst! Du verteilst Menschen um. Das Problem ist, dass das Geld, was wir zu verteilen haben, für viele immer kleiner wird. Weil viele übrigens der Unternehmer, die diese Ideen haben die sitzen nicht in Deutschland, sondern die sitzen in den USA und irgendwo anders. Die können sich Unternehmen überall bauen. Wenn du eine gesunde Gesellschaft willst, musst du Bildung haben, gute Bildung für Leute und soziale Migration. Und so wie wir derzeit aufgestellt sind, findet das leider nicht statt. Das zu lösen mit Schokolade sprich: Ich nehme den Bäte ein bisschen was weg, damit du dich ein bisschen besser fühlst, das funktioniert die nächsten 24 Monate. Das Problem wird dadurch nicht gelöst. Aber wie gesagt: Ich zahle gerne Steuern für was, was funktioniert. Also wenn unsere Brücken wieder funktionieren, wenn die Schulen wieder funktionieren, wenn Leute eine Chance kriegen, dann zahle ich auch gerne mehr Steuern.

Das heißt du bist gegen Schwarz-Null, höre ich raus.

Ich bin gegen Schwarz-Null, weil es die vollkommen falsche Debatte ist. Sorry, auch ökonomisch.

Herr Schäuble sagt ja, im Prinzip muss der Staatshaushalt wie die schwäbische Hausfrau ihren Haushaltgeführt werden.

Ja, aber das hat nichts mit schwarzer Null zu tun. Und das ist wichtig. Wir haben viele, viele Jahrzehnte irre Schulden gemacht im öffentlichen Haushalt und haben das Geld aber nicht dafür benutz, wofür man Schulden eigentlich benutzen muss: nämlich zu investieren. Sondern wir haben umverteilt. Wir haben im Wesentlichen gesagt: Shit, wir wollen nicht, dass die Menschen noch mehr Geld ausgeben für Rentenversicherung. Und haben einen sogenannten Rentenversicherungszuschuss eingeführt. Das nichts anderes als zu sagen: Die Rentenversicherung ist pleite, es sei denn, ich packe Steuergelder rein. Und da im Moment die  Steuern gut fließen, subventioniere ich die Rentenversicherung. Und übrigens von wegen, die wäre so sicher und so toll. Zweitens, dann packen wir Geld in die Krankenversicherung rein durch alle möglichen Zuschüsse. Wir haben also… Permanent verteilen wir Kohle, die wir nicht haben. Und dafür haben wir Schulden aufgenommen, die du und meine Kinder zurückzahlen sollen. Und da hat zurecht der Schäuble irgendwann gesagt: So geht das nicht. Aber es ist ein Denkfehler drin! Der Denkfehler ist, Schulden sind prinzipiell nicht falsch, wenn man sie dazu benutzt zu investieren. Das heißt, wenn wir sagen würden, und dafür wäre ich, wir nehmen jetzt mal hundert Milliarden auf, und faktisch kostet es nicht, wir haben ja negative Zinsen, und fixen jetzt endlich mal unsere Brücken und unsere Straßen, wir fixen die Breitbandinfrastruktur, dass du nicht nur in Berlin Zentrum und München Zentrum ein ordentliches Wifi hast, sondern überall. Wir sorgen dafür, dass unsere Schulen mal richtig gut sind, nicht nur groß, sondern gut. Ja, das heißt, Lehrer werden mal auch danach bezahlt, wie gut ihre Schüler sind, und nicht wie häufig sie in der Schule sind, also leistungsorientiert vergüten. Nämlich Leistung heißt: Sind die Schüler motiviert und sind sie qualifiziert. Dafür würde ich Schulden machen. Aber nicht für Konsum. So nach dem Motto: Ich nehme mal hundert Milliarden auf und dann zahle ich mit irgendwas.

Das war ja der Punkt. Also wenn unsere Kinder… Das ist ja immer das Argument: Wir wollen ja keine Schulden hinterlassen. Aber das gleiche Argument könnte man ja machen: Dann wollen wir denen auch keine Infrastruktur hinterlassen.

Exakt. Wenn du ein Haus baust, kannst du das meistens, auch ich, nur leisten, indem du eine Hypothek aufnimmst. Dafür schaffst du aber einen Vermögenswert. Das heißt, Schulden sind nicht gut oder schlecht, sie sind schlecht, wenn Schulden gemacht werden, um Konsum zu finanzieren. Und Schulden können sinnvoll sein, wenn du dafür Investitionen finanzierst. In dem Fall Infrastruktur und Bildung. Und deswegen ist die Diskussion um die schwarze Null meines Erachtens falsch.

Letzte Frage – und zwar eine politische: Tom Weiling will wissen… Laut Tagesspiegel gibt es fünf Bundestagsausweise für die Allianz. Somit können fünf Lobbyisten der Allianz gleichzeitig rein und rausgehen, wie es ihnen gerade passt. Wie oft passiert es, dass diese Lobbyisten im Bundestag zu Besuch sind und was für Themen werden speziell dort kommuniziert?

Finde ich ein gutes Thema, weil das ein wirklich wichtiges Thema ist, also die Beeinflussung von Politikern. Jetzt muss man Folgendes fragen: Ist es sinnvoll, dass Politiker sich informieren und in welchem Format über was Fachfragen angeht? Also nehmen wir mal das Thema Altersvorsorge. Da sitzt ein Bundestagsausschuss, da sitzen Grüne drin, SPD-Leute, CDU und die wollen wissen, was wir wissen zum Thema Altersvorsorge. Weil wir sitzen in 70 Ländern und wir wissen, wie die Altersvorsorgesysteme aussehen. Es wäre ziemlich dumm, wenn sich die Entscheidungsträger nicht darüber informieren, was wir dazu denken. Aber ich finde, es sollte vollkommen transparent sein. Das heißt, wenn die sich mit uns treffen, das machen ja viele auch, dann sollte es dazu ein Protokoll geben und sagen, worüber unterhalten die sich. So dass der Bürger weiß, was ist die Diskussionsbasis, die die Allianz hat mit unterschiedlichen Leuten? Übrigens sind wir ja nicht so abgehängt: Ich kenne auch den ein oder anderen Politiker persönlich. Und da kannst du dir jetzt immer die Frage stellen, ist das eine Einflussnahme? Also dürfen Politiker nicht Leute kennen, die keine Politiker sind? Das wäre dann ein bisschen abstrus. Aber ich gebe dir vollkommen recht, das Thema „“Wie beeinflusst Wirtschaft“ – und übrigens nicht nur Wirtschaft, Schuldigung! Die Gewerkschaften sitzen auch Bundestag…. Da fragt kein Mensch, warum sind denn so viele Typen von der SPD… haben eigentlich ein Gewerkschaftsausweis? Wir haben eine totale Überrepräsentation. Bin ich deswegen gegen Gewerkschaften? Nö. Ich finde die sogar gut. Aber trotzdem musst du immer die Frage stellen, wer nimmt Einfluss und ist das richtig? Und solange das transparent ist, finde ich das in Ordnung.

Bist du in einer Gewerkschaft?

Nö.

Warst du schon mal in einer?

Ich war mal Personalrat.  Also ich war mal Jugendvertreter in einer Bank. Aber ich war nicht in der Gewerkschaft.

Oli, Danke…

Bitte.

…für 100 Minuten.

Borr. Viel Zeit.

Ja, aber ich glaube, das werden die Leute geguckt haben.

Vielen Dank.

Vielen Dank für die Zeit.

Danke, dass ihr da wart.

Ciao.

5 Kommentare

  1. Ich muss ehrlich sagen, der Typ ist super. Schon bei er Bilanz-PK fiel er angenehm auf. Kein „ähm“ und ähnliche Platzhalter, stets straight und konkrete Aussagen. Authentisch und scheinbar kompetent. Hut ab!

    Gerne mehr Interviews mit hohen Tieren wie ihm – auch, wenn leider nicht alle so kommunikativ sind wie er

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  2. Tolles Gespräch, mit großem Interesse gehört. Besonders bemerkenswert ist die Freude, des Vorstandsvorsitzenden, zu erzählen, das „Du“, die Gesprächsbasis, Tilos Fragen und die Zuhörerfragen sowie die Antworten darauf. Und einige sehr gute „Sager“. Vor allem aber wirklich schöne Informationen, Bewertungen und Standpunkte zum Thema Versicherungen, Steuer, Freundschaften und Zusammenhänge. Danke.

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  3. Pingback: Jung und Naiv: Der Vorstandsvorsitzende des Allianz-Konzerns, Oliver Bäte | Lothar Bodingbauer

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