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Dan Schueftan, israelischer Experte für Sicherheit & Außenpolitik – Folge 377

(Interview auf Englisch! Deutsche Untertitel verfügbar!) Wir sind zurück im Nahen Osten und beginnen unsere zweite Interviewserie mit einem alten Bekannten: Daniel Schueftan, der seit Jahrzehnten Israels Ministerpräsidenten berät und dessen Sicht auf israelische Außenpolitik und Sicherheitsbelange (laut eigener Aussage) die absolute Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert.

Dan ist leitender Professor des „National Security Studies Center“ an der Universität von Haifa und ist zudem ein gefragter Referent in Brüssel, Washington und Berlin. Was er auf seinem letzten Europatrip gelernt hat, berichtet Dan zu Beginn. Hat sich seine Sicht auf uns Europäer in den letzten vier Jahren verändert oder leben wir für ihn noch immer im „LaLaLand“?

Seine Geringschätzung für Europa bringt uns zur US-Regierung: Dan erklärt, wie froh er ist, dass der Präsident nicht mehr Barack Obama heißt. Auch wenn er Donald Trump persönlich wenig abgewinnen kann, hält er ihn außenpolitisch für einen amerikanischen sowie israelischen Glücksfall. Für Schueftan kann es nur eine von Amerika geführte Weltordnung geben.

Schnell geht um es den „Iran-Deal“: Warum haben Europäer und Amerikaner unter Obama so krass versagt? Warum wollte die israelische Regierung überhaupt keinen Deal? Warum hat Israel die Bombe und wieso darf der Iran sie nicht haben? Wie kann es zu einem „regime change“ in Teheran kommen? Was unterscheidet Iraner überhaupt vom Rest der arabischen Welt? Dan weiß es.

Dann geht es ausführlich um die „Barbaren“ in der Region, also die arabischen Staaten. Dan erklärt, warum Araber nie demokratisch regiert werden würden, sondern immer einen Diktator bräuchten. Warum arbeiten westliche und israelische Regierung mit Diktaturen wie in Ägypten und Saudi-Arabien so prächtig zusammen? Warum ist es naiv, wenn man die Zusammenarbeit mit brutalen Regimes kritisch sieht?

Nach gut einer Stunde kommen wir zum scheinbar ewigen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern: Was hat sich in den vergangengen vier Jahren getan? Wieso sind wir einem Frieden nicht näher gekommen? Warum tut die israelische Regierung so, als ob Gaza nicht unter Blockade ist? Warum „fühlt“ man sich nicht für die Menschen in Gaza verantwortlich? Wie lange soll die Besatzung der Westbank noch andauern? Welche Rolle spielen die jüdischen Siedler? Was ist Dans Lösungsvorschlag für die Westbank?

Zum Schluss geht’s noch um das politische System in Israel und wer für ihn der einzig fähige Ministerpräsident des Landes ist.

Das und vieles, vieles mehr in Folge 377 – wir haben sie am 31. August 2018 in Tel Aviv aufgenommen.

 

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Tilo Jung
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Teil 1 mit Dan Schueftan von 2014: Jung & Naiv, Folge 184

 

Alle J&N-Folgen aus Israel & Palästina (seit 2014) in einer Playlist:

 

5 Kommentare

  1. Hut ab, Respekt für die gute Nahost-Serie – mit allen über alles reden…

    Von seinem Standpunkt her ist alles nur logisch was er sagt, die meisten Aussagen kann ich nachvollziehen, dummerweise ist die andere Seite in ihrer Sicht auch nachvollziehbar. Ein Dilemma, an dem Punkt Stärke und Stabilität zu schätzen ist verständlich, aber es betoniert nur eine missliche Situation.

    https://www.youtube.com/watch?v=mYjuUoEivbE

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  2. Das Interview ist fantastisch. Man merkt Thilo tatsächlich an, dass er vollkommen eingeschüchtert und entsetzt ist. Aber ich fürchte das Schueftans Logik schwer angreifbar ist. Es ist ein Musterbeispiel für Machtpolitik, die knallhart die eigenen Interessen vertritt. Das alles ist nahezu unerträglich aber – und das kann einem nicht gefallen – offensichtlch die Art und Weise wie diese Welt am Laufen gehalten wird.

    Und mit seiner Einschätzung Lala-Lands liegt er richtig. Was, wenn der von uns propagierte, kooperative Stil ein schöner Gedanke ist, der an der Realität zerschellt. Er beschreibt ein knallhartes „Survival of the fittest“ und aus dieser Sicht besteht für ihn keinerlei Grund ein gespaltenes Europa in dem aktuellen Zustand als relevanten Faktor zu betrachten.

    Das war tatsächlich „Jung & Naiv“. Wir analysieren Bilder und sezieren Textpassagen. Die „großen Jungs“ spielen offensichtlich vollkommen emotionslos ein sehr viel härteres Spiel, in dem Recht und Unrecht absolut keine Kategorien sind, mit denen man sich lange aufhält.

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    • Nein, mit der Einschätzung des Lala-Lands liegt er falsch. Deutschland hat doch genau die Politik des großen Stocks von 1871 bis 1914 betrieben und bis dahin lief sie wunderbar. Erst von 1914 bis 1945 lief es scheiße, deswegen haben wir auf Lala-Politik umgestellt und bis jetzt läuft die wunderbar. Dass die kolonialistische Politik Israels bisher so gut funktioniert liegt an den günstigen Umständen, das ist aber keineswegs grundsätzlich gesichert. Wenn die Umstände sich ändern kann das genauso gut schief laufen. Thilo hat ihn leider nicht gefragt, WIE Israel Iran auf Dauer am Erwerb der Atombombe hindern will. Wenn Pakistan Iran die Morgen gibt, dann haben sie die, da ist nix was Israel dagegen machen könnte. Vielleicht können sie das verzögern, aber wenn Iran die Atombombe haben will, dann kriegen die sie auch irgendwann. Die Vorstellung, wenn man nur militaristisch genug vorgeht, dann habe man die Situation unter Kontrolle, das ist Lala-Land. Für einen Fliegenschiss auf der Landkarte namens Israel auf jeden Fall.

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  3. Im Kern ist keinerlei Unterschied zu dem rassistischen Überlegenheitsdenken der Kolonialisten der letzten Jahrhunderte zu erkennen. Aus deren kultureller Andersartigkeit, folgert Herr Scheftan die Unfähigkeit ähnliche Taten und Werke zu leisten, wie der europäisch jüdische Siedler. Die vorausgesetzte Unterschiedlichkeit macht er an verschiedenen Feldern fest: zum einen sei es die technologische Minderkompetenz in der Naturbeherrschung, die Gewaltfixiertheit und die Minderkompetenz ihrer sozialen Kultur – sinngemäß: man solle sich nur anschauen wie diese mit Kindern und Frauen umgehen. Er argumentiert streng nach dem altbewährten Leitsatz: „Die Kolonialisten haben die Zivilisation erst dorthingetragen müssen“. Dabei lassen sich ungetrübt zwei der drei Grundelemente des kolonialistischen Denken nach Osterhammel erkennen: 1. die Vorstellung von unversöhnlicher Fremdheit bzw. Andersartigkeit in Verbindung mit einem Verhältnis der Über- und Unterlegenheit; 2. den Sendungsglauben in Verbindung mit der Vormundschaftspflicht. Ferner schreckt er auch nicht vor dem selben Wortgewand von damals zurück, so entmenschlicht er seine Widersacher im Interview immer und immer wieder durch die Nutzung von Begriffen wie „bararians“ um ihre Unzivilisiertheit und Ungebildetheit untermauern. Auch der Einsatz von Ausdrücken wie „subhuman babarian“ zeigen welchen tief rassistischem geistigen Lager Herr Schueftan nahe steht. Er offenbart ein ethnozentrisches Weltbild das in keinster Weise mit dem der Moderne und den Lehren aus den Gräueltaten des Kolonialismus vereinbar ist. Diesen Rassismus als Realismus zu beschreiben war schon immer ein gängiges Erklärungsmuster, jener Demagogen um diese menschen-verachtende Ideologie seinem Publikum als zweckmäßig und angebracht näher zubringen.

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