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Die einzige jüdisch-israelische Journalistin in der Westbank, Amira Hass – Folge 392

Wir treffen Amira Hass in einem Cafe in al-Bireh/Ramallah. Sie ist die einzige bzw. letzte jüdisch-israelische Journalistin, die in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten lebt. Und das seit mehr als 25 Jahren. Zuerst zog sie in Folge der Oslo-Verträge nach Gaza, später in die Westbank. Wer über die Besatzung berichtet, müsse auch unter Besatzung leben, sagt die Autorin.

Amira ist eine der bekanntesten und international renommiertesten Journalistinnen Israels. Sie erhielt zB den Menschenrechtspreis von „Reporter Ohne Grenzen“ oder den Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte und schreibt regelmäßige Kolummnen für die Tageszeitung Haaretz. In Israel selbst wird sie oft angefeindet, ob ihrer angeblich „anti-israelischen“ Berichterstattung. Amira ist die Tochter zweier Holocaustüberlebender. Warum sie froh ist, dass ihre Eltern heutzutage nicht mehr am Leben sind, erklärt sie im Gespräch.

Mit Amira geht’s um das tägliche Leben unter Besatzung: Wie gehen Palästinenser damit um? Wie haben sich die meisten damit arrangiert? Welche Rolle spielt die Palästinenerbehörde? Warum ist diese korrupt? Warum ist die PA ein „Subunternehmer“ der israelischen Besatzungsmacht? Gibt es abseits der korrupten Elite noch eine Zivilgesellschaft? Amira berichtet, dass Palästinenser in der Westbank in sog. „pockets“ leben müssen. Kleine, kaum miteinander verbundene Orte, die getrennt werden durch militärische Checkpoints und jüdische Siedlungen. Durch diese „pockets“ gäbe es zahllose Lebensrealitäten für die besetzte Bevölkerung. Neben der Rolle von Fatah und Hamas, geht es um Besatzung als institutionelle Gewalt an sich.

Amira erwartet von der Welt und insbesondere von Europa ein Umdenken: die andauernden Völkerrechtsbrüche der israelischen Regierungen, die illegalen Siedlungen müssten endlich beendet werden. Nur wie? Sicher nicht durch Bombenabwürfe auf Tel Aviv, scherzt Amira. Sie erklärt, warum die EU zB die Visafreiheit für Israelis beenden sollte, solange die Besatzung andauere. Hoffnung habe sie, angesichts des Rechtsrucks in Europa, nicht. Amira glaubt nicht, dass die kolonialistische Gesellschaft Israels sich in absehbarer Zeit ändern werde, was neben der Friedensbereitschaft auf palästinensischer Seite für ein Ende der Besatzung essentiell wäre. Auch eine „Ein-Staaten-Lösung“ hält sie für unrealistisch…

Das und einiges mehr in Folge 392 – wir haben sie am 10. September 2018 in al-Bireh/Ramallah aufgenommen.

Angesprochene Links:
Amiras Kolumnen in Haaretz
Folge 207 mit Sam Bahour

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